Anni Heuchels Ausstellung „Die Schönheit der Zecken“ und der Salon des SO36 sind ein perfektes Match.
Anni Heuchels Ausstellung „Die Schönheit der Zecken“ und der Salon des SO36 sind ein perfektes Match. Der legendäre Kreuzberger Club ist spätestens seit der Kippenberger Ära in den 70ern der Ort für den Clash von Punk und Kunst. Auch die Ausstellung, die ca. 20 klein- bis großformatige Aquarelle umfasst, führt diese beiden Felder zusammen. Und doch verhandelt sie den Punk nicht ganz so laut wie wir ihn aus der Konzerthalle kennen. Entstanden im Lockdown, zeigt die Werkreihe Stillleben und Portraits von Ikonen des Punks und linker Geisteshaltung. Es geht um Rebellion, Unangepasstheit, Punk, die Freiheit anders zu sein und um die Schönheit, die all dem innewohnt. Das Bildpersonal ist ein wildes Sammelsurium freier Köpfe und Andersdenkender. Die Künstlerin malt Sinnbilder und Menschen, die sie selbst beeinflusst oder beeindruckt haben. Dabei erschafft sie wirkungsmächtige Psychogramme, in dem sie das Wissen über die dargestellten Subjekte zu Symbolbildern verdichtet. So zeigt eines der Werke das Portrait des Ex-Einstürzende Neubauten Mitglieds FM Einheit, der sich organisch in ein von Warzen besetztes Ohr schlingt. Wie das Ohr ist auch die Musik des Dargestellten auf den ersten Blick verstörend und dann wieder von seltsamer Schönheit. Andere Werke befassen sich mit dem Punk als Geisteshaltung: Da wird das dekorative Potential Karl Marx‘ getestet indem er neben einer Zimmerpflanze Platz nehmen muss. Eine Punkerin wird als Büste neben die des Aristoteles gestellt und Ratten Jenny verwächst übergangslos mit ihrem zweiten Wohnzimmer, dem SO36. All das wird in realistischer Manier in die reduzierte Farbigkeit der Wasserfarbe übersetzt. Ein völlig neues Terrain für die Künstlerin, die sonst hauptsächlich in Ölfarbe arbeitet. Um sich im Lockdown besser motivieren zu können wechselte sie zu dieser schnelleren, intimeren Technik, die mehr Spontanität zulässt. „An einigen Tagen des Lockdowns war ich so verstimmt, dass mir das Arbeiten an einem großen Öl-Opus unmöglich erschien. Ich wollte kleinere Felder beackern. Das hat den großen Vorteil, dass die Werke viel leichter zugänglich und bezahlbarer sind.“ Nicht zuletzt soll es um den Verkauf der Werke gehen: 25 % des Erlöses gehen an das SO36, das immer wieder neue Wege finden muss, sich durch die Krise zu navigieren. Doch es ist nicht nur die globale Pandemie, die uns ein Sterben der Subkultur befürchten lässt. Die Öffentlichkeit blickte zuletzt verächtlich auf die Wohnkultur in besetzten Häusern und forderte von Künstlern in Zeiten der Krise eine Umschulung. Der Punk bleibt eine moralische Kategorie, die uns in diesen Zeiten helfen kann - sei es mit seiner Systemkritik, seiner Sicht auf Toleranz oder seinem Kampf gegen ausufernden Kapitalismus. Coronahinweis: Natürlich wird im Salon ein Hygienekonzept entsprechend der aktuellen Gegegebenheiten umgesetzt. Ihr könnt die Werk - und Preisliste auch online einsehen: Link Preisliste: http://bit.ly/37Hw6ea Homepage: www.anniheuchel.com Salon 36 Oranienstrasse 188 10999 Berlin Öffnungszeiten: Fr. 18.06.21 17-22 Uhr Sa. 19.06.21 14-20 Uhr So. 20.06.21 14-20 Uhr Eintritt frei