Winterliche Videofenster
Draußen ist es kalt, die Corona-Zahlen steigen wieder, Kunstevents werden abgesagt, manchmal schneit es, die Stadt und das Leben sind trotzdem. Aber alles ist gedämpft, das Leben hinterlässt weniger sichtbare Spuren, obwohl sich Vieles von …
Draußen ist es kalt, die Corona-Zahlen steigen wieder, Kunstevents werden abgesagt, manchmal schneit es, die Stadt und das Leben sind trotzdem. Aber alles ist gedämpft, das Leben hinterlässt weniger sichtbare Spuren, obwohl sich Vieles von dem, das nicht ist oder nicht sichtbar ist, tief eingräbt. Wer derzeit Draußen-Kunst sucht, weil gut besuchte Innenräume zur Gefahrenquelle geworden sind, wird in Wilmersdorf fündig.
Etwas unscheinbar zeigen zwei Fenster ausgewählte performative Kunstprojekte, die den derzeitigen Zustand eindrucksvoll verbildlichen. Indem man bei Temperaturen von um die Null Grad vor diesen Fenstern steht, vielleicht selbst Spuren in frischgefallenem Schnee hinterlässt, wird man als Zuschauer*in Teil der Performance – ein kluges wie spannendes Konzept.
Die von Oliver Möst ausgewählte Videoreihe »Winter Video Fenster«, die noch bis zum 31. Januar 2022 in den Fenstern der Kommunalen Galerie Berlin Wilmersdorf zu sehen ist, zeigt kritische Blicke auf sicht- und unsichtbare Strukturen in der Stadt und führt zu der Frage, wie wir in Städten leben wollen. Er selbst sagt dazu: "Es sind künstlerische Statements, Eingriffe und performative Aktionen, die trotz Kälte und größtenteils ohne Förderung „stadt"gefunden haben".
Ohne Förderung? Hat nicht Berlin mit vielen Töpfen auf die spezielle Corona-Situation reagiert?
Dazu Möst: "Das Draussenstadt Programm der Senatsverwaltung finanziert das Programm auf Bezirksebene mit lächerlichen 25.000 für Projekte der bildenden Kunst im Jahr, das heißt, das Programm im Bezirk wird vom Fachbereich Kulturstark unterstützt. Im Jahr 2021 wurden auf Landesebene 1,85 Millionen über den Call for Action und 1,2 Millionen über den Berliner Projektfonds Urbane Praxis vergeben. Wieso dann nur 25.000 Euro? Und wieso nur im Sommer? Jetzt Im Winter, wo die Corona Fallzahlen am höchsten sind, gibt es von Senatsseite kein Draussenstadt Programm. Also finanziert es ausschließlich der Bezirk. Und das ist doch eigentlich verrückt – warum soll es denn im Winter keine "Draussenkunst" geben, wenn man sich in Innenräumen nicht mit vielen Menschen aufhalten soll?"
Und was ist in den Fenstern zu sehen?
Barbara Szepanski fasst es so zusammen: “Vor dem winterlichen Hintergrund werden von den Künstler*innen Macht- und Repräsentationsansprüche der Orte befragt und reflektiert. Die winterliche Kälte spiegelt dabei auf sublime Weise die soziale Kälte von historischen, politischen und städtebaulichen Vereinnahmungen und Ausgrenzungen wider. Die Orte, die sich die Künstler*-innen ausgesucht haben, sind Peripherien, Zwischenräume und Orte mit einer historischen Symbolkraft."
