Wandbild „Collateral Crucifixion" – Appell für Julian Assange und Pressefreiheit
Seit Karfreitag (!) gibt es direkt neben dem Willy-Brandt-Haus in Berlin-Kreuzberg ein neues Mural: Das Künstlerduo Captain Borderline ruft mit dem 20 x 10 m großen Wandbild „Collateral Crucification“ auf, den Australier Julian Assange aus dem Gefängnis freizulassen. Aber es geht um mehr als ein Menschenleben: Die beiden Streetart-Künstler John Iven und Ron Voigt sehen die demokratische Pressefreiheit ans Kreuz genagelt und folgen damit einem Aufruf von Kultur- und Medienschaffenden, der sich aus einer gemeinsamen Pressekonferenz ergab, sich für Assange einzusetzen. Der Fall Assange wird als die größte Operation der USA bezeichnet gegen ausländische Journalisten und Herausgeber überhaupt, die dabei nach dem Spionage-Gesetz angeklagt werden, das eigentlich im Sinne des Landesverrats den tatsächlichen Geheimnisträgern (Whistleblowern) gilt.

Siebdrucke
Für die eigene Sammlung und um die Arbeit des gemeinnützigen Kunst- und Kulturverein "Colorrevolution" e.V. bei der Finanzierung des riesigen Wandgemäldes von "Captain Borderline" zu unterstützen, könnt ihr einen Siebdruck mit dem Motiv erwerben, auf hochwertigem Hahnemühle-Papier (DINA2 / 70cm * 50cm / 300g / Naturweiß) - https://assange.colorrevolution.de Zumal niemand heute weiß, wie lange dieses StreetArt-Werk an der Hauswand existiert!Julian Assange und WikiLeaks
Julian Assange gründete 2006 WikiLeaks, eine Plattform für Enthüllungen von Kriegs- und Umweltverbrechen (siehe wikipedia „Veröffentlichungen WikiLeaks“). Wichtig dabei war, die Informanten (Whistleblower) – mittels Verschlüsselungstechnologien – zu schützen, indem sie die geheimen Dokumente an Assange übermitteln konnten, ohne dass sie persönlich als Quelle identifizierbar waren. WikiLeaks machte so von Whistleblowern zugespieltes, geprüftes Material, u.a. hunderttausende geheime Dokumente der USA zu den Vorgängen im Afghanistan- und Irak-Krieg publik. Genauere Einblicke gibt es in der ARD-Dokumentation (s.u.). Hier kommt auch sein Anwalt, Baltasar Garzón, zu Wort:„Ich stimmte zu, Assange zu verteidigen, weil ich denke, dass er zum Sündenbock gemacht wurde. Er hatte es gewagt, aufzudecken, was sich später als eine verbrecherische, sittenwidrige und meist unmoralische Praktik erwies. Eine Art, Politik zu betreiben, die in einer Demokratie inakzeptabel ist.“
Presse- und Informationsfreiheit
Und auch Holger Stark, stellv. Chef-Redakteur Die Zeit, konstatiert in der Assange-Doku:„Hey! Das Entgegennehmen, Bearbeiten und Publizieren von geheimen Informationen ist Brot und Butter des täglichen Journalismus.“(Sept. 2020, min. 57:28). WikiLeaks hat einen Weg gefunden, das gesamte System transparenter zu machen. Und ja, diese zutage beförderten Wahrheiten sind schwer zu verkraften. Für mich persönlich wirft es allerdings Fragen auf wie: Was denken wir, ist Journalismus? Durch welche Filter laufen die veröffentlichten Informationen – und was wird gleich gar nicht besprochen? Wer kommt in welche Medien? Was wollen wir wirklich lesen – und wie wichtig ist uns vielleicht eher der nicht-reale Frieden um uns herum? Bezeichnend war – ähnlich wie im Fall der Panama Papers in den Siebzigern – dass die WikiLeads-Veröffentlichungen durch einige der größten Medien (die New York Times, der Guardian, der Spiegel) getragen wurde, die im Schulterschluss unterstützten, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Auch Edward Snowden sieht das Verfahren mit Assange sehr kritisch:
„Was passiert das nächste Mal? Wenn China die Auslieferung eines kanadischen Journalisten fordert, wenn Saudi-Arabien das gleiche tut mit jemandem, der in Argentinien lebt? ‚Wir‘ schaffen hier gerade einen Präzedenzfall, mit dem wir dann einhundert Jahre leben müssen. Und egal, was man über Assange denkt: Die Methoden, mit denen WikiLeaks arbeitet, haben Schule gemacht und den Journalismus verändert. Und wenn wir das nicht erkennen, und ich denke, das ist das Traurigste an dieser Sache, dann verdienen wir das wohl nicht. Und das Ergebnis ist, dass wir es verlieren gerade dann, wenn wir es am meisten brauchen.“

Tipps in der Umgebung:
Das Willy-Brandt-Haus nebenan ist berühmt für seine hochqualitativen Fotografie-Ausstellungen (sofern es die pandemische Lage wieder erlaubt: https://www.willy-brandt-haus.de/kunst-kultur/). Auf der anderen Seite des U-Bahnhofs Hallesches Tor gibt es das „Hallesche Haus“ https://www.hallescheshaus.com/pages/info - nicht nur ein sehenswerter Gebäudekomplex, sondern ein wunderbarer Ort, um lecker zu essen und zu trinken (Öffnungs- bzw. Abholzeiten je nach Corona-Lage). Mural: Stresemanstraße 15 Links: Animation von „Collateral Crucification“ - Instagram „Collateral Murder“- collateralmurder.wikileaks.org ARD-Dokumentation - www.ardmediathek.de Text: Jana Noritsch + Foto „Hallesches Tor“; Alle Fotos des Wandbilds mit freundlicher Genehmigung: Captain Borderline