Gerichtshöfe Wedding

Sonstiges · Wedding

Gerichtshöfe Wedding, Wedding, Außenansicht, beleuchtete Fensterfronten des Backsteingebäudes bei Dämmerung
Foto: Gerichtshöfe Wedding

Über 70 Kunstschaffende nutzen seit 1983 die historischen Gewerbehöfe zwischen Gericht- und Wiesenstraße als Ateliers und öffnen sie regelmäßig für Besucher.

Seit 1983 arbeiten mehr als 70 Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster Herkunft in den sechs Gewerbehöfen der GESOBAU AG zwischen Gericht- und Wiesenstraße (ehemals Industriestätte Nordhof, Baujahr 1912). Hier gibt es sie noch, die "Berliner Mischung" aus Wohnen, Gewerbe und Handwerk, doch ihr Bestand mit günstigen Mieten ist ungewiss. Viele der Kunstschaffenden sind seit 2004 im Verein „Kunst in den Gerichtshöfen e.V.“ organisiert und öffnen regelmäßig ihre Ateliers für Kunstinteressierte, aber auch für die Nachbarschaft.

Geschichte

Um 1860 befanden sich auf dem schmalen Grundstück von der Gerichtstraße bis zur Wiesenstraße ein Fabrikgebäude, Speicher, Pferdeställe und Wagenremisen. Später baut man mit Kesselhaus, Maschinenhaus, weiteren Fabrikgebäuden, einem Expeditionsgebäude und einem Aether-Keller das insgesamt ca. 9000m² große Gelände weiter aus. Eigentümer war die „Chemische Fabrik J.D. Riedel AG“, die Arzneimittel, Chinin und Grundstoffe für Glühstrümpfe der bekannten Berliner Gaslaternen herstellte. Diese teilweise hochgiftigen und explosiven Chemikalien wurden im „Aether-Keller“ gelagert, der sich etwa im Bereich des heutigen Aufgangs 7 befand. 1912 gründet J.D. Riedel die „Industriestätte Nordhof“, die bis heute fast unverändert erhalten geblieben ist. Die veralteten Gebäude wurden abgerissen und das vierstöckige Fabrikhaus mit den großen Fenstern, den kostbaren, glasierten Ziegeln und elektrischen Aufzügen errichtet. Erste Mieter waren damals die „AEG-Apparatefabrik, eine Likörfabrik und ein AOK-Büro. Das Wohnhaus in der Gerichtstrasse, das durch seine Größe und aufwändige Ausstattung auffiel, folgte später. Dort wo heute ein gähnendes Loch klafft, stand bis zum Ende des Weltkriegs der imposante Mittelteil. Berichten zufolge ist dieser erst 1945 eingestürzt, als ein Geschütz explodierte, mit dessen Bedienung ein Hitlerjunge wohl überfordert war und hier wenige Tage vor Kriegsende den Tod fand.

Gerichtstr. 12/13, 13347 Berlin

Website

Aktuelle Ausstellungen & Events