Die Kamera war präsent – Michael Wesely: Ausgewählte Werke
Durch die Arbeiten von Michael Wesely wird Zeit auf wortwörtliche Weise sichtbar. In seinen Fotografien, man könnte sie auch als Zeitspeicher bezeichnen, kristallisiert und verschwindet zugleich unsere Gegenwart. Nun sind die Arbeiten bei Finarts zu …
Durch die Arbeiten von Michael Wesely wird Zeit auf wortwörtliche Weise sichtbar. In seinen Fotografien, man könnte sie auch als Zeitspeicher bezeichnen, kristallisiert und verschwindet zugleich unsere Gegenwart. Nun sind die Arbeiten bei Finarts zu sehen...
Seit zwei Jahrzehnten fotografiert Wesely mit seinen Langzeitbelichtungskameras historisch und städtebaulich bedeutsame Momente in Berlin, um deren Verwandlung und Entwicklung festzuhalten. Die permanente Überlagerung durch den stets offenen Verschluss der Kamera lässt entstehende Gebäude vielschichtig und zum Teil beinah transparent erscheinen. Das tägliche Leben in Form von Menschen und vorbeifahrenden Autos lässt sich nur flüchtig in verwischten Strukturen erahnen, zu kurzlebig war deren Präsenz, um sich erkennbar in das Bild einzumeißeln.
In einem weiteren Langzeitprojekt beschäftigt sich Wesely mit Stillleben, die mit all ihrer Schönheit die eigene Vergänglichkeit vergegenwärtigen, sichtbar gemacht mit Belichtungszeiten von etwa einer Woche.
Ein weiterer Arbeitskomplex Weselys ist das Portrait. Auch hier dehnt er die Belichtungszeit aus und gibt den Rahmen von fünf Minuten vor. In dieser Zeit erschafft der Porträtierte ein Bild von sich auf dem Film und wird damit zum aktiven Gestalter seines Abbildes. Einige dieser Arbeiten gehören mit zur Ausstellung.