Schloss Kummerow: Fünf aktuelle gute Gründe

Schloss Kummerow - am 20. Juni eröffnete die Sonderausstellung PROVINCIA, die Kabinettausstellung Michael Wesely läuft gerade und im Schloss befindet sich außerdem eine großartige Sammlung internationaler Fotografie. Neben der spannenden hauseigenen Geschichte gibt es, fünftens …

Veröffentlicht am 24. Juni 2020 · von Kunstleben Berlin

Schloss Kummerow - am 20. Juni eröffnete die Sonderausstellung PROVINCIA, die Kabinettausstellung Michael Wesely läuft gerade und im Schloss befindet sich außerdem eine großartige Sammlung internationaler Fotografie. Neben der spannenden hauseigenen Geschichte gibt es, fünftens, den riesigen Kummerower See gleich nebenan. Eine Inspiration zum 'Fern-Flanieren' zum Sommerbeginn ... Fünf gute Gründe für einen Ausflug zum Mecklenburger Schloss Kummerow: Die Künstler/innen Ulrich Wüst, Ute & Werner Mahler, Hans-Christian Schink und Ingar Krauss sowie der Kurator Daniel Blochwitz haben soeben die Sonderausstellung PROVINCIA im Schloss Kummerow eröffnet: Vier Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise dem Leben abseits der Metropolen widmen. Der lateinische Begriff Provincia wurde in der Verwaltungsterminologie Roms verwendet: Hier wurde die Versorgung der antiken Metropolis gesichert. Und während die spätlateinische Bedeutung des Wortes in großen Teilen Europas auch heute noch wertneutral als „Gebiet“ oder „Bezirk“ im Sprachgebrauch eingesetzt wird, ist der entsprechende deutsche Begriff „Provinz“ hier vor allem negativ besetzt. Für viele Menschen ist Mecklenburg-Vorpommern solch ein Inbegriff von Provinz – ein naturnahes und bevölkerungsarmes Bundesland mit vergleichsweise wenigen und eher kleinen Städten. Gerade die Jugend scheint hier immer auf dem Sprung zu sein. Gleichzeitig ist die Gegend aber auch Sehnsuchtsort gestresster Großstädter mit Versprechen auf Freiräume für Träume und Experimente sowie Platz für Erholung und Zurückgezogenheit. Die Ausstellung im Schloss Kummerow stellt die Provinz nicht als verlorene oder gar abgehängte Region dar. Stattdessen zeigen die unaufgeregten und oft poetischen Bilder eine zwar vernachlässigte, jedoch in sich ruhende Gegend voller Potenzial. 1:100 PAST & PRESENT Fotografie und Installation von MICHAEL WESELY: Bis 27. September 2020 zeigt Michael Wesely seine erlebenswertenn Arbeiten im Schloss.
"Das Bauhaus Jubiläum war Anlaß für mich eine Arbeit zu definieren. Sie heißt 1:100 und bezieht sich nicht auf die klassische Maßstäblichkeit der Architektur und deren Skalierbarkeit im Raum, sondern auf die Zeit. Das fertige Bild ist ein Angebot an jeden Betrachter ein Jahr Belichtungszeit auf 100 Jahre Bauhaus anzuwenden, den Versuch zu unternehmen diesen Zeitraum in die Zukunft zu projizieren, oder auf vergangene 100 Jahre anzuwenden. Unter welchen Umständen ist es möglich, daß dieser Blick 100 Jahren Bestand hat? Und schon sind wir mitten in den Fragen an politische und kulturelle Kräfte, die unsere Gegenwart dominieren"
Michael Wesely Der Schwerpunkt der Sammlungsbestände der Fotografischen Sammlung – Schloss Kummerow liegt heute auf zeitgenössischen Werken, die seit der Jahrtausendwende entstanden sind, darunter bedeutende Werke von Thomas Demand, Steve McCurry, Andreas Mühe, Wolfgang Tillmans und Sebastião Salgado. Den Grundstock der Sammlung bilden aber bereits seit den 1990er-Jahren historische Vintage-Prints aus der Zeit nach 1945. Auch die Fotografien von renommierten Vertretern der Ostfotografie, die vergangene und nachwirkende Lebenswelten der Menschen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR dokumentieren, stellen einen wichtigen Teil der Sammlung dar. Auffallend ist die Dichte großformatiger Werke, die ihre visuelle Kraft in den barocken Räumlichkeiten entfalten können und an ihre einst viel gepriesene Ausstattung mit Gobelins anknüpfen. So bilden Because the Night (2012) von Richard Mosse mit seinen mehr als fünf Metern, Michael Weselys sechs Meter einnehmendes Seerosenbild (Seerosen von Giverny, 24.06.2014, 8:55 bis 21:00, 2014), Werner Mahlers umfangreiche Chronologie einer Abiturklasse seit 1977 (Abiturienten, 1977/78–2015) und Wolfgang Tillmans Freischwimmer (2006) die Eckpfeiler der Ausstellung. Die unter der Leitung von Direktor Torsten Kunert  gepflegte Sammlung offenbart unter anderem Werke von Marina Abramović, Nobuyoshi Araki, Thomas Bangsted, Fiona Banner, Vanessa Beecroft, Sibylle Bergemann, Ilse Bing, Viktoria Binschtok, Christian Borchert, Thorsten Brinkmann, Daniele Buetti, Winfried Bullinger, Harry Callahan, Jewgeni Chaldej, Martin Dammann, Thomas Demand, Arno Fischer, Maike Freess, Charles Fréger, Lee Friedlander, Andrea Galvani, Hein Gorny, Andreas Gursky, Harald Hauswald, Candida Höfer, Sabine Hornig, Teresa Hubbard/Alexander Birchler, Arno Jansen, Edmund Kesting, William Klein, Clemens Krauss, Bernd Lasdin, Herbert List, Niko Luoma, Ute Mahler, Werner Mahler, Charlotte March, Will McBride, Steve McCurry, Simon Menner, Richard Mosse, Andreas Mühe, Oskar Nerlinger, Shirin Neshat, Helmut Newton, Tatsumi Orimoto, Helga Paris, Richard Peter sen., Hans Praefke, Jorma Puranen, Lukas Pusch, Bettina Rheims, Evelyn Richter, Jens Rötzsch, Thomas Ruff, Sebastião Salgado, Adrian Sauer, SCHAUM, Max Scheler, Martin Schoeller, Sarah Schönfeld, Erasmus Schröter, Gundula Schulze Eldowy, Andres Serrano, Laurie Simmons, Marleen Sleeuwits, Doug & Mike Starn, Otto Steinert, Beat Streuli, Christer Strömholm, Jock Sturges, Hiroshi Sugimoto, Miroslav Tichý, Fritz Tiedemann/Arwed Messmer, Wolfgang Tillmans, Michail Trachman, Ulay, Andre van Uehm, Brigitte Waldach, Michael Wesely, Siegfried Wittenburg, Ulrich Wüst und Miwa Yanagi. Die Geschichte von Schloss Kummerow beginnt 1730 - und ist unmittelbar mit dem Schicksal der weitverzweigten Familie derer von Maltza(h)n verbunden. Schloss Kummerow war eines unter mehreren Häusern, von denen aus das alte Adelsgeschlecht über Jahrhunderte bis zur Weimarer Republik das Geschick der Menschen in Mecklenburg und Pommern als Lehnsherren und Beamte der wechselnden Herrscher mitbestimmte. Das Schloss am Kummerower See ist in seiner gesamten Anlage elegant und pragmatisch zugleich und zeugt von den Arbeits- und Machtverhältnissen einer untergegangenen Epoche. Im Mittelpunkt steht das zweistöckige circa 3.000 Quadratmeter große Wohnhaus. (weitere Informationen)
Kummerow - Historie des Schlosses
Schloss Kummerow
Am Schloss 10 17139 Kummerow Tel. + 49 39952 235 180 www.schloss-kummerow.de Öffnungszeiten Schloss Kummerow 30. Mai – 28. Juni 2020 Samstag und Sonntag 11 – 17 Uhr 1. Juli – 27. September 2020 Mittwoch bis Sonntag 11 – 17 Uhr 2. Oktober – 1. November 2020 Freitag bis Sonntag 11–17 Uhr Bilder/Texte: © Schloss Kummerow