Konstantin Déry – Ausstellung „Wildnis" im ARTGESCHOSS

Noch bis zum 30. Juni 2015 ist Konstantin Dery innerhalb der Gruppen Ausstellung "Wildnis" im ARTGESCHOSS zu sehen. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf diese wunderbare Präsentation hinweisen und lasse für Dich den …

Veröffentlicht am 8. Juni 2015 · von KUNSTLEBEN BERLIN

Konstantin Déry – Ausstellung „Wildnis
Noch bis zum 30. Juni 2015 ist Konstantin Dery innerhalb der Gruppen Ausstellung "Wildnis" im ARTGESCHOSS zu sehen. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf diese wunderbare Präsentation hinweisen und lasse für Dich den Künstler selbst zu Wort kommen:

Konstantin Déry - Statement

An gemalten Bildern hat mich seit jeher vor allem fasziniert, dass sie abgesehen von irgendeiner erkennbaren, präsentierten Thematik, allein schon durch die spezielle Art und Weise, wie sie die Dinge der sichtbaren Welt erscheinen lassen, unglaublich viel vermitteln können. Daher steht auch in meiner Malerei dieser Aspekt immer mehr im Vordergrund. Die von mir ausgesuchten, und in jedem Fall von mir direkt erlebten Motive sind solche, die Menschen in anderen Jahrhunderten auch schon hatten unter freiem Himmel erleben können – sie sind also keine epochentypischen Erscheinungen. Sie sind einfache, auch in der stadtnahen Natur auffindbare organische Motive, die dem Medium der Ölmalerei viele Möglichkeiten bieten, die ihnen innewohnende Wahrheit zu erfassen. Sie bieten eine großartige, inspirierende strukturelle Vielfalt und Form- und Farbkombinationen, die künstlerisch sehr befreiend wirken und zum Weiterspinnen, zur weiteren Intensivierung einladen. Sie sind für mich geeignete Ausgangspunkte für eine Malerei, die sehr sinnlich und direkt wirken will. Diese Motive umhüllt, mal mehr mal weniger, ein Hauch der Vergänglichkeit und die Beschäftigung mit ihnen, ist für mich, glaube ich, auch eine zumeist unbewusste Suche in mir, nach den Möglichkeiten einer nüchternen Akzeptanz des Gedankens der Vergänglichkeit. Der dauernde unterschwellige Hinweis auf diese und parallel dazu das belebende, bewegende, den Assoziationssinn erregende Wuchern der Farben und Formen sind für mich eine sehr aufgeladene und aufregende Kombination. Die Bilder entstehen langsam, und ich möchte mit ihnen auch zur langsamen Betrachtung einladen, die für mich ein wichtiger Gegensatz zum beschleunigten Konsum rasch wechselnder Bildern bedeutet. Ich möchte mit der eher differenzierten Farbigkeit und den aufgewühlten, rauen Oberflächen meiner Gemälde auch eine andere, ursprünglichere Sinnlichkeit präsentieren, als die des Bildschirms. Wahrscheinlich ist die immer stärkere Präsenz der nur auf dem Bildschirm erlebbaren Bildermassen in unserem Alltag ein wichtiger Grund für ein erhöhtes Interesse an vielfältigeren sinnlichen Erfahrungen.
Konstantin Dery im Artgeschoss
Konstantin Dery im Artgeschoss
  Für die Realisierung der Bilder haben sich während der in Variationen wiederholten malerischen Umsetzungen ähnlicher Motive, eigene technische Lösungen entwickelt. Die Bilder bekommen außer dem üblichen Malgrund einen zweiten monochromen Grund aus glattgespachtelter Ölfarbe. Was den Farbton betrifft, ist es eine immer andere, kräftige, von mir gemischte Farbe. Diese Grundfarbe – eine Art Generalbass – beeinflusst, verfremdet und intensiviert von vornherein die Farbigkeit des Bildes, treibt mich dazu, stellenweise ungewöhnliche und überraschende Farben einzusetzen, und leuchtet zwischen den Farbeinheiten, aus denen sich das Bild zusammensetzt, überall hindurch. Auf diesen sterilen, glatten, matten Grund wird die Ölfarbe sehr pastos, ohne Pinsel, mit kleinen gespitzten Holzstäbchen und Malspachteln aufgetragen. Durch diese Auftragsweise wird ein Teil der künstlerischen Kontrolle aufgehoben und die Umrisse der das Bild aufbauenden Einheiten entstehen mehr oder weniger durch Zufall und gewinnen dadurch eine eigenwillige Lebendigkeit, die auch der wuchernden Flora und den Gebilden des Zerfalls innewohnt. Die übriggebliebenen zusammengemischten Grundfarben der einzelnen Bildern werden aufgehoben und, wenn möglich, in die folgenden Bilder eingebaut, wodurch wieder eine Art künstlerisch nur begrenzt kontrollierter Zufall ins Spiel des Malens treten und eine interessante, breite – manchmal mich selbst überraschende – Farbpalette entstehen kann. Das Motiv zu behalten und nicht in die totale Freiheit, die totale Abstraktion abzudriften, ist mir wichtig. Das Motiv bildet den Rahmen in dem das Spiel für mich spannend bleiben kann, wodurch die Freiheit erkämpft werden muss und nie eine totale Freiheit wird, in deren Schatten meist eine aus der Zwecklosigkeit resultierende Belanglosigkeit lauert. Der Freiheit, und damit meine ich sowohl das Ausschalten der künstlerischen Kontrolle als auch die Willkür der radikalen Stilisierung, schreibe ich eine zwar wichtige, aber doch dienende Rolle zu. Mich reizt ein spannungsvolles Balancieren zwischen der Ebene der Abbildung und Kontrolle und der Ebene der Verfremdung, Auflösung und des freien Spiels mit Farbe und Form. Ein Balancieren wodurch diese Ebenen anfangen, sich zu bedingen und zu stärken. Die „realistische“ Abbildung wird durch farbliche Verfremdung und freieren, spielerisch-chaotischen Stellen energetisch aufgeladen und verlässt ihre Grenzen. Die Abstraktion fasziniert, weil sie als Teil der „realistischen“ Abbildung einen Zweck gewinnt.   Konstantin Dery, 03.01.2015
Konstantin Dery im Artgeschoss
Konstantin Dery im Artgeschoss "langsam fliessendes Wasser"
 

"Wildnis"

mit den Künstlern ZWENIA, KONSTANTIN DERY, JOHANNA SILBERMANN, TAMARA IVANOVA, ANDREA IMWIEHE, BIRGIT BORGGREBE Ausstellungsdauer: 30.04 – 30.06.2015  Öffnungszeiten: Di – Fr 10 – 16 Uhr

ARTGESCHOSS

Galerie “Rowland & Kutschera”

Baumbachstrasse 17

Berlin 13189