Filmkritik und Freikarten: Die wundersame Welt des Louis Wain
In seinem neuen Film zieht uns Regisseur Will Sharpe mit kraftvollen Bildern und Farben in Luis Wains (Benedict Cumberbatch) wundersame Welt. Alles ist bunt, vibriert und erinnert in seiner Verspieltheit nicht nur ein wenig an …
Veröffentlicht am 27. April 2022 · von Jeannette Hagen
In seinem neuen Film zieht uns Regisseur Will Sharpe mit kraftvollen Bildern und Farben in Luis Wains (Benedict Cumberbatch) wundersame Welt. Alles ist bunt, vibriert und erinnert in seiner Verspieltheit nicht nur ein wenig an einen Tim Burton Film, sondern nimmt das Wesen der von Wains gemalten Katzen auf.
Katzen – man liebt sie oder man meidet sie. Dazwischen gibt es nichts. Allerdings können sich auch jene Menschen, die sie nicht mögen, selten ihrer Faszination entziehen. Ob sie etwas besitzen, das wie Elektrizität ist? Wer weiß. Für Louis Wain war es so. War er deshalb ein „komischer Kauz“, wie einige ihn nannten? Ja und Nein. Auf jeden Fall war er begabt und offensichtlich überzeugt davon, auf irgendeinem Gebiet einen Durchbruch zu erlangen. So schrieb er Opern, forschte, ging zum Boxen, wo er sich mehr schlecht als recht schlug, und er zeichnete. Tiere, Menschen, Landschaften – eben alles, was er sah, vieles aus der Erinnerung, alles so lebendig, so farbenfroh, kreativ und eigenwillig, so … elektrisch.
Louis Wain (Benedict Cumberbatch). Louis Wain (Benedict Cumberbatch) Copyright: Studiocanal GmbH / Jaap Buitendijk
Und weil ihm das Zeichnen so leicht von der Hand ging, stellte sich schnell der Eindruck ein, dass Louis Wain selbst dieser außergewöhnlichen Begabung viel zu wenig Wert beimaß. Dabei wäre genau das wichtig gewesen im viktorianischen London um die Jahrhundertwende, denn nach dem Tod des Vaters hatte er sich als einziger Mann im Haus um die fünf Schwestern und die Mutter zu kümmern. Beim Zuschauen will man ihn rausholen aus dieser Situation, ihn irgendwo hinschicken, wo sein Talent aufblühen kann und er angemessen gewürdigt wird. Diesen Part übernimmt allerdings die neue Gouvernante des Hauses, Emily Richardson. Wain und Richardson verlieben sich, heiraten trotz des Geredes und der Ablehnung, die ihnen entgegengebracht wird und verlassen das düstere Haus und die Stadt.
Emily (Claire Foy) und Louis Wain (Benedict Cumberbatch). Emily (Claire Foy) und Louis Wain (Benedict Cumberbatch) Copyright: Studiocanal GmbH / Jaap Buitendijk
Das Glück scheint perfekt, Wain bekommt eine Festanstellung als Illustrator, seine Zeichnungen erlangen Bekanntheit, doch dann dreht sich das Schicksal, und es ist nicht nur der Umstand, dass er sich nie ein Urheberrecht an seinen Zeichnungen gesichert hat, der ihm von da einen Stromschlag nach dem nächsten versetzt.
Louis Wain war einer der populärsten Maler Großbritanniens. Doch wie bei vielen Kreativen dieser Zeit, verschaffte ihm seine Begabung keinen Reichtum. Noch dazu war seine Psyche labil, später kämpfte er gegen Schizophrenie und starb einsam in einer Nervenheilanstalt.
Der Regisseur Will Sharpe zieht uns mit seinen Bildern und Farben in Wains Welt. Alles ist bunt, vibriert und erinnert in seiner Verspieltheit ein wenig an einen Tim Burton Film. Benedict Cumberbatch füllt seine Rolle mit viel Können und mit Spielfreude aus und auch Claire Foy als Emily ist an seiner Seite eine gelungene Besetzung. Insgesamt ist der Film sehenswertes Popcorn-Kino und eine auf die Leinwand gebrachte ästhetische Wertschätzung für einen, der diese Wertschätzung auf jeden Fall verdient.
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