Ein Forensiker als Fotograf, der sich einem der unscheinbarsten Materialien unserer Umwelt widmet. Die Ausstellung „Die Welt in einem Sandkorn sehen“ vereint die mikrofotografischen Arbeiten von Matthias Burba (*1954), Synästhetiker, mit einer interaktiven Videoarbeit von Max Seeger (*1994) und erschließt Sand als vielschichtiges Bildfeld. Zwischen mikroskopischer Präzision, subjektiver Wahrnehmung und medialer Übersetzung wird das Material zugleich als geologisches Archiv und als Träger ökologischer, kultureller und historischer Prozesse sichtbar. Matthias Burba verbindet analytische Präzision mit subjektiver Erinnerung. Seine rund 800 weltweit gesammelten Sandproben bilden ein visuelles Archiv, das über reine Dokumentation hinausgeht. Am Polarisationsmikroskop entwickelt er Bildkompositionen, in denen Licht und Filter gezielt eingesetzt werden, um spezifische Farb- und Strukturmerkmale der Sandkörner sichtbar zu machen. Diese sind nicht nur ästhetisch prägnant, sondern geben auch Hinweise auf ihre mineralische Zusammensetzung und ermöglichen Rückschlüsse auf den jeweiligen Fundort. Die Arbeiten zeigen Sandkörner nicht als neutrale Objekte, sondern als komplexe Formationen, deren Farben, Strukturen und Lichtbrechungen an abstrakte Malerei erinnern. Sichtbar wird ein geologisches Archiv, geprägt von Millionen Jahren Verwitterung, Bewegung und Transformation. Ausgangspunkt ist ein Vers von William Blake (1757–1827), der das Kleine als Spiegel des Großen begreift und hier in eine zeitgenössische Bildpraxis überführt wird. Mit der partizipativen Filmarbeit Ingrained erweitert Max Seeger diese Perspektive um eine raumgreifende Dimension. Die Installation verschiebt den Blick vom einzelnen Korn hin zu größeren Zusammenhängen. Digitale Bildräume verbinden sich mit dokumentarischen Elementen zu einer visuellen Erzählung, die den Stoff in seinen globalen Verflechtungen sichtbar macht. Diese künstlerischen Annäherungen an Sand stehen in deutlichem Kontrast zu seiner alltäglichen Nutzung als Rohstoff. Als Siliciumdioxid zählt er zu den meistverwendeten Ressourcen der Erde und bildet eine zentrale Grundlage moderner Technologien und Infrastrukturen. Er ist Ausgangsmaterial für Mikrochips, Smartphones, Solarzellen und optische Produkte und zugleich unverzichtbar für Bauprozesse, von Betonherstellung bis hin zu Landaufschüttungen und Küstenbefestigungen. Dabei ist Sand kein universell einsetzbares Material, seine spezifischen Eigenschaften entscheiden über seine Verwendbarkeit. Mit der global steigenden Nachfrage wird Sand zunehmend zu einer knappen und umkämpften Ressource. In den vergangenen 20 Jahren sind die Preise um bis zu 6500 Prozent gestiegen. Der intensive Abbau führt vielerorts zu erheblichen ökologischen Schäden, insbesondere durch die Zerstörung von Uferzonen und Stränden, und verschärft zugleich die Gefährdung von Küstenregionen durch den steigenden Meeresspiegel.
Mit Arbeiten von Maxwell Dunlop, Marie Louise Elshout, Armando Mariño, MASCH und James Johnston versammelt die Ausstellung „The Space Between“ vom 3. Juli bis zum 15. August 2026 internationale Positionen aus den USA, Kuba, den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland. Zwischen Traum, Erinnerung und Atmosphäre entstehen sehr unterschiedliche Bildwelten: die stille, filmische Malerei des amerikanischen Künstlers Maxwell Dunlop, die poetischen hybriden Figuren der niederländischen Künstlerin Marie Louise Elshout sowie das großformatige Interieur des Exilkubaners Armando Mariño, dessen leuchtendes Licht und künstliche Eleganz zwischen Verführung und Isolation oszillieren. Ergänzt werden diese Arbeiten durch die feinen Papierarbeiten von MASCH, die mit ihrer Leichtigkeit und Klarheit die besondere Stimmung des Sommers aufnehmen, sowie durch die intuitive und fragile figurative Malerei des britischen Musikers und Künstlers James Johnston. With works by Maxwell Dunlop, Marie Louise Elshout, Armando Mariño, MASCH and James Johnston, the exhibition The Space Between, on view from July 3 to August 15, 2026, brings together international artistic positions from the United States, Cuba, the Netherlands, Great Britain and Germany. Between dream, memory and atmosphere, very different visual worlds emerge: the quiet, cinematic paintings of American artist Maxwell Dunlop, the poetic hybrid figures of Dutch artist Marie Louise Elshout, and the large-scale interior by Cuban exile artist Armando Mariño, whose luminous light and artificial elegance oscillate between seduction and isolation. These works are complemented by MASCH’s delicate paper works, whose lightness and clarity reflect the particular atmosphere of summer, as well as by the intuitive and fragile figurative paintings of British musician and artist James Johnston. Beitragsbild: MASCH: ALIEN CAUGHT TAKING A WALK
Und schon wieder nur noch wenige Tage bis zum Beginn unserer nächsten Ausstellung. Und schon wieder haben wir eine ganz besondere und seltene Kunstform gewählt. Und schon wieder wird es eine musikalische Überraschung geben. Unter dem Titel "Virtuelles Herbarium" zeigen wir EXLIBRIS. Die Exlibris von Elena Kieseleva sind alles andere als Buchzeichen im engen Sinne. Es sind Juwelen der Kleinkunst, Graphiken von einem unwiderstehlichen Charme und Reiz. Die Blätter haben eine sehr geringe Auflage, sie sind quasi Unikate. Die Künstlerin vereint graphische und malerische Techniken. Sie geht aus von Radierungen - die spitze Nadel eignet sich besonders gut für ihre Detailgenauigkeit und Detailbesessenheit - doch manchmal auch von Zeichnungen und coloriert diese. Inspiriert von russischer Tradition und dem Jugendstil, hat sie einen Stil gefunden, der sie unverwechselbar charakterisiert: Expressivität und beschwingende Leichtigkeit, Verspieltheit, Traum und Realität.
In ihrer ersten gemeinsamen Ausstellung erforschen die Künstlerinnen das Erleben von Unruhe in unserer Zeit. Was zeigt sich, wenn Gewissheiten zu Zeit, Beziehungen, Orten und Informationen brüchig werden? Ihre Werke beleuchten individuelle Perspektiven und sind gleichzeitig im einfühlsamen Kontakt zueinander. Die Ausstellung wird selbst zum Resonanzraum, der nicht nur Unruhe spiegelt, sondern Momente der Stille, des Innehaltens und der Neuorientierung eröffnet. Die Künstlerinnen laden ein, dieser Wechselwirkung nachzupüren. Claudia Benter, *1989, untersucht in ihrer künstlerischen Praxis die Zwischenräume, die im Spannungsfeld innerer und äußerer Verortung entstehen – aufgeladene, vielschichtige Räume, die oft unbegreifbar erscheinen und zugleich eine stille Dringlichkeit in sich tragen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Erscheinungsformen transgenerationaler Übertragungen, die sie sowohl im Kontext ihrer eigenen Familiengeschichte als auch im Zusammenhang kollektiver Erfahrungen und Erinnerungen erforscht. Ihre Motiv- und Materialwahl entwickelt sich dabei aus dem Nachspüren subtiler Stimmungen und tiefer Resonanzen, inspiriert von Begegnungen mit Objekten und Menschen, die Spuren von Heimat- oder Identitätsverlust in sich tragen. Stefanie Hengge, *1966, entfaltet ihr Werk in Werkreihen. Die einzelnen Arbeiten einer Serie teilen eine gemeinsame Erzähl- und Codierungsstrategie. Damit führt die Künstlerin auf Pfaden von einem Werk zum nächsten durch eine Landschaft, in der Transformationen lesbar sind. Hengge versteht ihre Werke als Spuren in der Zeit, als Verdichtungen, in denen sich Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart kristallisieren. Sie begreift das Atelier als Denk- und Erfahrungsraum – körperlich, sinnlich und situativ. Im »Spielen« als künstlerische Praxis nähert sie sich Zusammenhängen und eröffnet Zugänge, die über den logischen Kontext und das verbal Erzählbare hinausweisen. Anja Koch-Kenk, *1980, beschäftigt sich immer wieder mit dem Motiv des Hauses und stellt damit die Frage, was uns das Haus über die Seelenzustände eines Einzelnen oder einer Gesellschaft erzählen kann. Ihre dreidimensionalen Objekte bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen Abschottung, Unzugänglichkeit und Abwehr auf der einen und Fragilität und Durchlässigkeit auf der anderen Seite. Die Faszination für das Spiel mit dem Maßstab wurde durch ihre Arbeit als Bühnenbildnerin und Modellbauerin geweckt und geschult. In ihrer Tätigkeit als Kunsttherapeutin in der stationären Kinder- und Jugendhilfe mit Kleinkindern nach Inobhutnahme begegnet ihr auch dort das Thema Haus als Verortung von existenzieller Bedeutung.
Die Multi-Media Künstlerin Anne Wodtcke lebt und arbeitet in Berlin. In ihren Interventionen, Installationen und ephemeren Skulpturen verbindet AW physische Materialität mit poetischer Dimension, um Dialoge zwischen Raum, Bewegung und Transformation zu öffnen. Durch Dekonstruktion und Neukontextualisierung von (meist gefundenen) Objekten entstehen Arbeiten, die sowohl eine prägnante physische Präsenz haben, als auch - getragen von humorvoller Leichtigkeit - ein gewisses narratives Potential entfalten. Mit einem spielerischen, experimentellen Ansatz hinterfragt AW in der multimedialen Installation situations ll_2026 - ebenso wie in situations_2024 - die Grenzen von Materialien, sowie die Funktionalität, Symbolik und Wahrnehmung alltäglicher Objekte, wobei sie die Dynamik von Veränderung und Vergänglichkeit erkundet. Vollständige Kontrolle und kompletter Kontrollverlust definieren den Raum des Möglichen und der Zufall ist ein gern gesehener Gast. Mit minimalistischer Poesie eröffnet AW auch dieses Mal einen Raum, in dem das Prinzip der Einfachheit, der Selbstreduktion und Selbstbeschränkung dominiert. Die ausgewählten Materialien fordern das Sehen / die Wahrnehmung heraus, und lassen Raum für Selbstbefragung und Assoziationen, die über das rein Formale und die materiellen Strukturen und Eigenschaften der Exponate weit hinausgehen. In dieser multimedialen, ortspezifischen und ephemeren Installation, mit Raum-Zeichnungen, variierenden Klang-Landschaften (soundscapes) sowie skulptural anmutenden Objekten (readymade materials) und immersiven Videos lädt AW ein unsere gewohnte Wahrnehmung von Raum und Zeit an sich und dessen Durchlässigkeit zu hinterfragen. Durch Hinwendung zu Instabilität, Non-Konformität und Verletzlichkeit verschiebt sich die Beziehung des eigenen Körpers zur Architektur des (Galerie-)Raumes genauso wie sich die Bezüge der Arbeiten im Raum untereinander neu verorten, verlinken und sortieren. Ausstellung 13.06 - 11.07.2026 Finissage 11.07.2026 14 - 18 Uhr
Im Käthe-Kollwitz-Museum Berlin wird mit „Konstellationen“ eine umfangreiche Einzelausstellung des österreichischen Künstlers Rainer Wölzl gezeigt. Die Präsentation eröffnet einen eindringlichen Blick auf das vielschichtige Werk eines Künstlers, der sich seit Jahrzehnten mit den kulturellen, sozialen und politischen Verwerfungen unserer Zeit auseinandersetzt. Rainer Wölzl, 1954 in Wien geboren, arbeitet heute vorwiegend mit der Technik der Kohlezeichnung. Seine meist großformatigen Arbeiten entstehen auf der Grundlage kunsthistorischer sowie medialer Bildquellen. Motive mit zeitgeschichtlicher und aktueller soziopolitischer Relevanz werden von ihm aufgegriffen und durch Montage in komplexe visuelle Konstellationen überführt, in denen Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen. Die Ausstellung versammelt Arbeiten aus einem langjährig entwickelten Projekt unter dem erweiterten Gedanken eines „Museums der Schatten“. Der Begriff des Schattens fungiert dabei als poetischer wie politischer Denkraum – als Spur des Vergangenen, als Projektionsfläche und als Bestandteil individueller wie kollektiver Erinnerung. Im Zentrum von Wölzls Werk steht ein kontinuierliches Nachdenken über Machtstrukturen, Unterdrückung und deren unterschiedliche Erscheinungsformen in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten. Seine künstlerische Praxis versteht sich als Strategie der Aneignung und Transformation: Bildmaterial wird nicht nur zitiert, sondern neu komponiert, verschoben und in einen offenen Bedeutungsraum überführt. Charakteristisch für Wölzls Arbeiten ist ihre Mehrteiligkeit sowie eine rasterartige Struktur, die Distanz schafft und zugleich eine präzise gesellschaftspolitische Reflexion erlaubt. In bewusster Abgrenzung zur visuellen Überflutung digitaler Bildwelten setzen die Werke ein Zeichen gegen geschichtliches Vergessen und für die nachhaltige Kraft des gezeichneten Bildes. Die Ausstellung ist die zweite museale Präsentation des Künstlers in Berlin, nachdem er 2002 im Georg Kolbe Museum mit der umfangreichen Werkserie „Ästhetik des Widerstands“ zu Peter Weiss vertreten war.
Wer sichtet, erfasst, ordnet und wählt aus. Eva Walker übersetzt diese Prozesse in Zeichnungen und Drucke, in denen gesichtete Informationen durch Überlagerung und Wiederholung abstrahiert und neu verknüpft werden. Die Arbeiten untersuchen die wechselseitigen Beziehungen zwischen Wahrnehmung, Gedächtnis und Materialität. Ausgangspunkt ist ein von der Künstlerin entwickeltes Formarchiv, das auf Blickbewegungen während der Bildbetrachtung basiert. Darin verwendete unterschiedliche Strichstärken variieren mit der Flüchtigkeit und Konzentration des Blickes. Eva Walker (*1981 in Heidelberg) war Meisterschülerin von Annette Schröter an der HGB Leipzig und ist seit 2021 Leiterin der grafischen Werkstätten an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Sie lebt in Saarbrücken.
In response to the incredible feedback for our first collaboration with the artist, we are delighted to announce ‘I fall and rise with the fall and rising bodies’, Hugo Winder-Lind’s first solo exhibition in our new space in Berlin, showcasing a selection of monotype prints created during the production of our latest film inside the artist's studio. Embedded into the fabric of the paper are both the oil paint and caffeinated pondering on the divine, the seemingly unavoidable proximity of collapse, and the question: why sheep? “I'm in constant movement. I approach and pull away from objects. I creep under them. I move alongside a running horse's mouth. I fall and rise with the falling and rising bodies.” - Dziga Vertov Einlass: 18:00 Uhr, Essen: 18:30 Uhr Vorstellungen: 19:00 Uhr, Ende: 21:30 Uhr . Ort: Atemporal, Boxhagener Str. 96, 10245 Berlin Eintritt: 35 Euro
Sabine Winnemuth, geboren in Bad Gandersheim / Deutschland Studium der Bildenden Kunst an der Hochschule für Bildende Künste und Design in Hannover, der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und der Facultad de Bellas Artes in Barcelona. In ihren neuesten fotografischen Arbeiten widmet sie sich der Wiedergabe der Dimension Zeit in der zweidimensionalen Darstellung eines Fotos, indem sie die Veränderungen im zeitlichen Verlauf einer bestimmten Szene zeigt. Ihr Ziel bei dieser Art der Fotografie ist es nicht, ein möglichst perfektes Abbild dessen zu schaffen, was sie wahrnimmt, sondern die Realität mit Hilfe der Kamera kreativ zu verändern. Auf diese Weise werden scheinbar feste Strukturen aufgebrochen und aufgelöst, feste Kanten verschoben und Farben vermischt. Das Motiv löst sich in Licht und Farbe auf, die Verdichtung der Materie ist vergänglich. Energie wird freigesetzt, und Umstrukturierung, Metamorphose und Transformation werden möglich. Der Weg ist geebnet für eine bessere Wahrnehmung des Wesens der Situation, der Emotion, die durch das Gesehene hervorgerufen wird. Die Fotos wurden mit einer Leica Q2 (28 mm Festbrennweite) aufgenommen und ausschließlich mit einem RAW-Konverter (Adobe Lightroom) bearbeitet. Die Bilder werden als Einzelstücke auf Satin gedruckt und auf einen Rahmen aus Aluminiumprofilen gespannt oder auf Fotostoff gedruckt und auf einen Holzrahmen aufgezogen. Dadurch erhalten die Bilder eine eher malerische Anmutung. Die Bildhauerin Maja Smoltczyk arbeitet vorwiegend figürlich. In ihren Werken spürt sie inneren Zuständen, Stimmungen und typischen Wesenszügen der von ihr dargestellten Figuren nach. Dabei ist es egal, ob es sich um menschliche oder tierische Figuren handelt und es spielt auch keine Rolle, ob es sich um die Darstellung konkreter Personen oder Tiere handelt oder um freie Figuren, die derartige Stimmungen verkörpern, ohne Abbild lebender Individuen zu sein. Faszinierend ist immer, wie sie es schafft, dem toten Material Leben einzuhauchen – ihre Figuren strahlen eine große Lebendigkeit aus und treten sowohl untereinander als auch mit den Betrachtenden in einen inneren Dialog. Maja Smoltczyk lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Werke sind aus Gips, Bronze und Terrakotta und regelmäßig in Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen.
Am Rand des Farbspektrums liegt die Farbe Violett. Für uns unsichtbar setzt sich das Spektrum darüber hinaus jedoch fort. In seiner Serie „oltre il viola“ beschäftigt sich Mats Bergquist mit dieser für uns nicht wahrnehmbaren Farbe: Dunkle monochrome Arbeiten mit teils matten, teils glänzend-atmosphärischen Oberflächen, die das Licht auf subtile Weise absorbieren und reflektieren. Sie bewegen sich in der Spannung zwischen Malerei und Objekt, zwischen Materialität und Immaterialität. Es sind Reflexionen über Licht und Dunkelheit, Fülle und Leere. In ihrer Konzentration strahlen sie eine meditative Stille aus, laden uns ein, in die Tiefe des Farbraums einzutauschen. Mats Bergquist arbeitet in der Technik der Enkaustik. Hierbei bespannt er den Bildträger aus Birnenholz mit einem Leim getränkten Leinengewebe, trägt Gips, mineralhaltige Farbpigmente und Wachs in Schichten auf, die immer wieder abgeschliffen, neu aufgetragen und poliert werden bis undurchsichtige, matt schimmernde helle oder dunkle Farbflächen entstehen.
Sehr geehrte Freundinnen und Freunde der Kunst, wir laden Sie herzlich ein, das 10-jährige Jubiläum der PostArt Gallery mit der Eröffnung der Ausstellung „KALI: Algorithmus der Ewigkeit“ zu feiern. Kali ist in der indischen Mythologie eine Göttin der Zerstörung und der Erneuerung. Sie ist die Mutter der Transformation. In einer Gegenwart, in der Technologie das Menschliche nicht mehr nur erweitert, sondern zunehmend neu definiert, kehrt ein uralter Archetyp in zeitgenössischer Form zurück: Kali. In unserer Ausstellung wird Kali nicht dargestellt – sie wird übersetzt: in Textur, Spannung und Kontrast. In einer Bildsprache, die zugleich archaisch und radikal gegenwärtig ist. Die Ausstellung entfaltet sich im Spannungsfeld von Malerei und Konzept, von Körper und Code. Dabei trifft Materialität auf Algorithmus. Die Arbeiten verbinden die physische Dichte der Malerei (Spachtel, Textur, Volumen) mit der Idee des Immateriellen – Algorithmus, Erinnerung, digitale Spur. Sie oszillieren zwischen Wärme und Kälte, zwischen Organischem und Künstlichem und eröffnen einen Raum, in dem Betrachtende nicht nur sehen, sondern erleben. Dabei verliert Liebe ihre Sentimentalität, der Tod seine Endgültigkeit und Technologie ihre Neutralität. Doch die Spannung zwischen ihnen bleibt. Die Arbeiten geben keine Antworten, sondern erzeugen einen Zustand: einen Grenzraum, dicht, nahezu körperlich erfahrbar. Liebe. Tod. Etwas Anderes. Die Ausstellung stellt eine Frage: Was bleibt menschlich, wenn Maschinen zu fühlen beginnen und das Göttliche als System zu denken beginnt? • Künstlerinnen und Künstler: Andrea Cataudella, Julia Ihnatenko, Karina Bondarenko, Dima Miroshnichenko, Vasilisa Boykova und Halyna Hamelink-Ihnatenko. • Kuratorin: Elena Schütz Eröffnung: 23.04.2026 Uhrzeit: 19:00–22:00 Ort: PostArt Gallery, Schustehrusstraße 47, 10585 Berlin-Charlottenburg Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Zum allerersten Mal rückt die Filmarbeit von Alfred Ehrhardt in den Fokus einer Ausstellung. Mehr als 60 Filme hat der Fotograf, Dokumentarfilmer und Bauhaus-Schüler realisiert, ein Œuvre, das bislang im Schatten seiner fotografischen Arbeiten stand. Nun stellt die Stiftung Alfred Ehrhardts Filme ins Zentrum und macht einen der produktivsten deutschen Kulturfilmer des 20. Jahrhunderts neu lesbar, ästhetisch wie historisch. Auf zehn Bildschirmen entfaltet sich eine Auswahl von 20 zentralen Kurz- und Langfilmen, die in zwei Programmphasen präsentiert wird: zehn Filme in den ersten fünf Wochen, zehn weitere in der zweiten Hälfte der Ausstellung. Darunter finden sich Naturstudien, Filme über Kunst und kulturhistorische Arbeiten, aber auch bislang kaum gezeigte Produktionen aus der NS-Zeit. Zu sehen sind u.a. Ehrhardts sogenannte Gehäusefilme über Schnecken, Muscheln und Korallen, seine Studien zur Natur als Formmeisterin, etwa zu Watt-Strukturen bei Neuwerk, Vulkanlandschaften auf Island oder Eisskulpturen vor Grönland, ebenso wie Filme über Kunst und Künstler, darunter Arbeiten zu Ernst Barlach, zur documenta II oder zu afrikanischen Masken. Nicht ausgespart bleiben die problematischen Kapitel. Mit „Urkräfte am Werk“ (D 1937/39), seinem 2024 wiederentdeckten Erstlingsfilm, und dem Propagandafilm „Flanderns germanisches Gesicht“ (D 1941), wird Ehrhardts filmisches Schaffen auch im historischen Kontext seiner Zeit verhandelt. Die parallele Präsentation mehrerer Filme ermöglicht erstmals eine Zusammenschau zentraler Motive, Methoden und Obsessionen. Spiralen, Inseln, serielle Strukturen und das Interesse an medial sichtbar gemachten Lebensprozessen treten deutlich hervor. Spätestens seit den frühen 1950er Jahren knüpft Ehrhardt dabei bewusst an seine Ausbildung am Bauhaus an und nutzt genuin filmische Mittel wie Zeitraffer, Zeitlupe und extreme Makroaufnahmen. Erst auf dieser Basis wird die materielle und technische Grundlage seiner filmischen Arbeit sichtbar. 14 Filme wurden seit 2019 neu digitalisiert und restauriert, acht davon mithilfe des Förderprogramms Deutsches Filmerbe der Filmförderanstalt FFA. Parallel dazu wurden in den vergangenen Jahren umfassende Recherchen in externen Archiven unternommen sowie sämtliche filmbezogenen Materialien des Archivs der Alfred Ehrhardt Stiftung digitalisiert, ausgewertet und erstmals systematisch erschlossen. Begleitend erscheint der umfangreiche Bildband „Alfred Ehrhardt – Film“, der das filmische Werk erstmals ausführlich dokumentiert. In der Ausstellung geben Archivmaterialien in Vitrinen und Schaufenstern, darunter Filmpartituren aus dem Schnittprozess, Arbeitsfotografien, Musiknotizen unter anderem von Oskar Sala, Einblick in Ehrhardts Arbeitsweise und seinen ausgeprägten Erfindergeist. Filmplakate und Auszeichnungen dokumentieren zugleich die zeitgenössische Anerkennung des vielfach geehrten „Bundesfilmpreisträgers vom Dienst“. Die Alfred Ehrhardt Stiftung bewahrt heute einen der am besten dokumentierten Nachlässe eines deutschen Kulturfilmers der Nachkriegszeit. Die Ausstellung zeigt Alfred Ehrhardt als Filmemacher neu, in einer Breite und Tiefe, wie sie bislang nicht zu sehen war. Filme wie noch nie! Katalog: Anlässlich der Ausstellung erscheint die Publikation Alfred Ehrhardt – Film (Dt./Engl., hrsg. von Christiane Stahl und Stefanie Odenthal für die Alfred Ehrhardt Stiftung, Texte von Thomas Tode, 288 Seiten, Verlag Dölling und Galitz, Hamburg 2026)
Max Giermann ist einem breiten Publikum als Schauspieler bekannt. Über viele Jahre hinweg prägte er mit seinen Rollen Fernsehen, Bühne und Film. Parallel zu dieser öffentlichen Karriere entwickelte sich eine eigenständige künstlerische Praxis: die Malerei. Diese Praxis ist kein neues Experiment, sondern begleitet Giermann seit früher Kindheit als kontinuierliche Form des Ausdrucks. Seit 2024 stellt Max Giermann seine Malerei öffentlich aus: Nach einer Einzelausstellung im Kunstverein Ulm e.V., folgte 2025 eine Einzelausstellung in der Galerie Holger John in Dresden. Aufbauend darauf führt die Ausstellung „Figuring Out“ (17. April – 13. Juni 2026) sein bildnerisches Schaffen erstmals in der janinebeangallery in Berlin zusammen und markiert den nächsten konsequenten Schritt in die Präsentation seines künstlerischen Werks. Giermanns Malerei entsteht aus einem bildnerischen Prozess, der zeitlich weit vor seiner Bekanntheit als Schauspieler ansetzt und bewusst unabhängig von eindeutigen Zuschreibungen bleibt. Zwar ist sein Name aus einem anderen Kontext vertraut, doch die Gemälde folgen einer eigenen inneren Logik und behaupten sich jenseits biografischer Lesarten. Zeichnen und bildnerisches Arbeiten waren für Max Giermann (geb. 1975) bereits in Kindheit und Jugend zentrale Ausdrucksformen. Früh entwickelte er ein ausgeprägtes Interesse an Figuren,Körpern und Gesichtern – weniger im Sinne eines Abbilds als vielmehr als Mittel zur Manifestation innerer Zustände. Auch wenn die Malerei für ihn heute einen neuen Schwerpunkt markiert, ist ihm der bildnerische Schaffensprozess als solcher seit jeher vertraut. Parallel zu anderen künstlerischen Ausdrucksformen blieb die Malerei über die Jahre hinweg eine konstante, persönliche Schaffenssphäre. Die langjährige Unabhängigkeit von institutionellen Erwartungen und marktbezogenen Vorgaben prägte den offenen, freien Charakter seiner Werke. In den ausgestellten Gemälden verdichtet sich diese Haltung zu einer Malerei, die sich nicht über Wiedererkennbarkeit oder erzählerische Eindeutigkeit definiert. Die Bilder zeigen Figuren, Köpfe und Körperfragmente, ohne sich auf klassische Porträtdarstellungen oder einfache psychologische Zuschreibungen festzulegen. Entscheidend ist der Moment der Setzung als das Auftauchen einer Figur im Bild, die sich im Prozess formt und zugleich offen bleibt. Die Arbeiten entstehen direkt und prozesshaft, mit sichtbaren Übermalungen, Brüchen und Korrekturen. Linien werden gesetzt und neu geführt, Farbflächen überschreiben einander, Konturen bleiben bewusst in Bewegung. Die Acrylfarbe wird nicht bloß glatt aufgetragen, sondern körperlich eingesetzt: gestrichen, gezogen, verschmiert, teilweise tropfend. Ein wiederkehrender Schwerpunkt liegt auf dem Gesicht. Augen erscheinen übergroß oder asymmetrisch, Münder leicht verschoben, Köpfe frontal oder minimal gekippt in den Bildraum gesetzt. Der Hintergrund fungiert dabei weniger als klassischer Raum denn als spannungsvolle Fläche, die Figur und Bildträger miteinander verbindet. Charakteristisch für Giermanns Malerei ist die Balance zwischen Kontrolle und Offenheit. Kunsthistorische Referenzen von expressionistischen Positionen bis zur gestischen Malerei des 20. Jahrhunderts sind spürbar, werden jedoch nicht zitiert, sondern durch einen persönlichen Duktus weitergeführt. Oder wie Giermann es formuliert: „Die Kunstgeschichte ist wie ein Requisitenfundus, aus dem man sich angstfrei und spielerisch bedienen darf.“ Im Zentrum dieser Arbeiten steht zunehmend die Frage nach Identität. Weniger als festes Narrativ, sondern als offener Zustand: Identität erscheint bei Giermann als etwas, das sich im malerischen Prozess formt, infrage stellt und wieder auflöst. Die Bilder behaupten keine eindeutigen Rollen, keine Masken und keine abgeschlossenen Figuren. Vielmehr sind sie Verdichtungen eines Zustands, in dem Wahrnehmung, Projektion und malerische Entscheidung ineinandergreifen. Die Malerei wird so zu einem Ort der Erfahrung, an dem Bildfindung nicht Illustration ist, sondern ein offener Prozess. Die Gemälde und Papierarbeiten sind keine Kommentare, sondern autonome Setzungen und damit eigenständig, widersprüchlich und bewusst offen für unterschiedliche Lesarten. MAX GIERMANN „Figuring Out“ 17. April – 13. Juni 2026 | Vernissage: 17. April 2026, 18 – 21 Uhr janinebeangallery | Torstraße 154 | 10115 Berlin
Mit „Crowds“ präsentiert die janinebeangallery Berlin eine konzentrierte Auswahl fotografischer Arbeiten von Nick Zinner. Der Musiker der Band Yeah Yeah Yeahs fotografierte das Publikum während der Konzerte konsequent von der Bühne aus. Die analogen Aufnahmen halten einen Moment fest, in dem Konzerte von kollektiver Aufmerksamkeit und physischer Nähe geprägt waren. Gezeigt werden ausschließlich Fotografien aus den Jahren 2003 und 2004, einer prägenden Phase sowohl innerhalb von Zinners künstlerischer Entwicklung als auch im Kontext der internationalen Musik- und Clubkultur der frühen 2000er Jahre. Nick Zinner ist international bekannt als Gitarrist und Songwriter der New Yorker Band Yeah Yeah Yeahs. Seit der Gründung der Band im Jahr 2000 prägt er deren charakteristischen Sound maßgeblich, mit präzisem, oft kantigem Gitarrenspiel, das zwischen Post-Punk-Energie, Noise-Elementen und melodischer Zurückhaltung oszilliert. Gemeinsam mit Sängerin Karen O und Schlagzeuger Brian Chase entwickelte Zinner eine musikalische Sprache, die den internationalen Durchbruch der Band in den frühen 2000er Jahren entscheidend mitbestimmte. Die Yeah Yeah Yeahs zählen zu den zentralen Protagonisten der New Yorker Indie-Rock-Szene jener Zeit. Mit dem Debütalbum Fever to Tell (2003) und Songs wie Maps wurde die Band weltweit bekannt. Ihre Konzerte waren geprägt von intensiver physischer Präsenz, unmittelbarer Publikumsnähe und einer emotionalen Direktheit, die das Lebensgefühl einer Generation widerspiegelte. Die Fotografien der Serie Crowds entstanden während der Tourneen mit den Yeah Yeah Yeahs. Zinner fotografierte konsequent von der Bühne aus, stets während der Performance des Songs Maps. Der Song fungierte dabei als wiederkehrender zeitlicher und emotionaler Bezugspunkt innerhalb der Konzerte. In seiner reduzierten, melancholischen Struktur thematisiert Maps Nähe, Bindung und Verletzlichkeit und bildet damit einen inhaltlichen Resonanzraum für die fotografierten Publikumsreaktionen. Konzert als soziale Situation Die frühen 2000er Jahre lassen sich besonders für die Yeah Yeah Yeahs als eine Phase hoher physischer und sozialer Präsenz im Konzertkontext beschreiben. Konzerte fungierten als Orte unmittelbarer Begegnung, geprägt von Nähe zwischen Bühne und Publikum sowie von einer gemeinsamen, kollektiven Aufmerksamkeit. Die Gesichter, Blicke und Gesten auf den Fotos von Nick Zinner bildeten zentrale Elemente des Erlebens und strukturierten eine Situation, die wesentlich durch den geteilten Moment bestimmt war. Für die Betrachtenden eröffnet sich dabei eine besondere Perspektive. Durch den Aufnahmeort auf der Bühne nehmen sie faktisch die Position des Musikers ein. Der Blick richtet sich frontal auf das Publikum, auf Reaktionen und individuelle Präsenz. Diese Perspektivverschiebung ermöglicht eine unmittelbare Auseinandersetzung mit Nähe und kollektiver Wahrnehmung im Live-Kontext. Zugleich entsteht eine zeitliche Verschiebung. Die Fotografien eröffnen einen direkten Zugang zu den Jahren 2003 und 2004 und machen eine konkrete historische Situation erfahrbar. Die Arbeiten fungieren damit auch als visuelle Zeitdokumente, die ein spezifisches kulturelles und soziales Umfeld dieser Jahre nachvollziehbar werden lassen. Alle Fotografien der Serie wurden analog aufgenommen. Zinner arbeitete mit Film und analoger Kamera, was sich in der Bildstruktur, der Lichtführung und der materiellen Präsenz der Arbeiten zeigt. Für die Ausstellung werden die Fotografien als großformatige Abzüge im Format 100 × 150 cm präsentiert, wodurch die körperliche Wirkung der Bilder zusätzlich verstärkt wird. Nick Zinner studierte Fotografie am Bard College in Annandale-on-Hudson, New York, und setzte sein Studium anschließend in Frankreich fort. Die interdisziplinäre Ausrichtung des Bard College und dessen Nähe zu zeitgenössischer Kunst, Musik und Theorie prägten Zinners künstlerischen Blick nachhaltig. Auch heute ist Nick Zinner weiterhin aktiv als Musiker. Die Yeah Yeah Yeahs feierten 2025 ein Jubiläum, das mit einer eigenen Tour begangen wurde. Darüber hinaus ist Zinner seit mehreren Jahren fester Gitarrist in der Live-Band von Iggy Pop. In beiden Kontexten bewegt er sich weiterhin zwischen Bühne, musikalischer Praxis und visueller Beobachtung.
Die Fotografien der Ausstellung CONSTANT BLOOM basieren auf Lucas Foglias Reise entlang der längsten bekannten Wanderroute der Painted-Lady-Schmetterlinge. Jedes Jahr, und das seit Millionen von Jahren, sind die Schmetterlinge zwischen Afrika, dem Nahen Osten und Europa unterwegs auf ihrer Suche nach blühenden Wildblumen. Foglia fotografierte die Schmetterlinge über mehrere Jahre auf ihrer Route. Ein faszinierendes Naturphänomen, das sich über mehrere tausend Kilometer erstreckt. Es ist aber nicht nur die Wanderung der Schmetterlinge, die Foglia damit dokumentiert, sondern er zeigt auch seine Begegnungen mit den Menschen entlang dieser Route. Menschen, die ungewöhnliche Dürren, Überschwemmungen oder Frost erlebt haben. Viele von ihnen reisten als Geflüchtete und sind auf der gleichen Route wie die Schmetterlinge nach Europa unterwegs. Damit kann seine Dokumentation der Wanderung der Schmetterlinge auch als Metapher für Migration, Anpassung und Verbundenheit zwischen Natur und Mensch verstanden werden. Foglias Blick auf die Natur und menschliche Lebensweisen dürfte in seiner Vergangenheit liegen, die ihn geprägt hat. Er selbst wuchs in einer Großfamilie auf einer Farm in einem Vorort von New York City auf. Dort baute die Familie ihre eigenen Lebensmittel an, konservierte diese und heizte das Haus mit Holz. Während sich um sie herum Einkaufszentren und Supermärkte entwickelten, lebte die Familie nach vielen Prinzipien der Zurück-aufs-Land-Bewegung. Foglias Arbeiten sind gleichermaßen ästhetisch ansprechend, wie inhaltlich tiefgründig und zeigen oft das Verhältnis zwischen Menschen und Umwelt.
Vernissage: Freitag, 13.02.26, 18-21 Uhr Finissage: Samstag, 14.03.26, 14-18 Uhr Ausstellung: 14.02. bis 14.03.26 Siewerts bildnerische Ressourcen lagern im Geistigen und sind von einer feingestimmten Erlebnisfähigkeit evoziert. Punkt und Linie pflanzen sich in Konnotationen fort, bilden Gewebe und Prozesse, die sich in Verläufen überlagern und jeder statischen Berichterstattung entziehen. Alles scheint verknüpft, Ursache und Folge verwischen wie Geschichte und Gegenwart, wenn der Bau der bildnerischen Schichten Richtung und Konstruktion lediglich als Ahnung im Raum stehen lässt und die Bilder wie Palimpseste die Spuren ihres Werdens herumtragen. Siewert, in kleinen wie großen Zusammenhängen zu Hause, misstraut dem alleinigen Aufschwung des aktuellen Jetzt und bildet seine Inhalte im Dialog von sich wiedersprechenden und doch miteinander verwobenen bildnerischen Inhalten, die er malt, auslöscht übermalt – und die sich doch in ihrer eigenen Ordnung bestätigen. Er baut auf, glaubt an Nichts und hat doch eine Vision. Gültig ist, was die eigene Erkenntnis zulässt. Erik Stephan zu Frank Siewerts Ausstellung „Räume Reservate und Ressourcen“, Städtische Museen Jena, 2003
Was passiert, wenn öffentlicher Raum intim wird? PRIVACY FILM verbannt das Konzept White Cube in die Finsternis, transformiert die Galerie zur Black Box, verweigert die Übersicht. Entscheidender Unterschied: Betreten möglich und geboten. Zwischen dem, was im Dunkel verborgen bleibt und dem, was hell aufleuchtet, wird das Private neu verhandelt. »The only conceivable way of unveiling a black box, is to play with it.«1 Mit Ausstellung Nr. 296 PRIVACY FILM ab Donnerstag, 5. Februar 2026, 19 Uhr startet die INSELGALERIE Berlin ins neue Jahr und präsentiert Positionen von MARIELLA MOSLER, YAMO AYDEMIR und AEREE SUL, die Videos und Objekte zu Rauminstallationen verbinden. Dabei ist der Schritt in die Dunkelheit Programm. Es geht um Nähe und Distanz, das Sichtbare und Verborgene, urbane Räume und menschliche Interaktionen, Erinnerungen, Wünsche, Bewegungen durch Landschaft und Natur. Die Black Box wird zum Resonanzraum dessen, was gezeigt oder entzogen wird. Die dabei entstehende Intimität verändert die gemeinsame Erfahrung. Die Vernissage beginnt mit einer Performance des Künstlers Fatih Cimdiken aka DIKEN.
Reinhard Wöllmers Objekte aus durchgefärbtem Papierpulp zeichnen sich durch geometrische Exaktheit und intensive Farbigkeit aus, bergen aber immer auch ein optisch verwirrendes, spielerisches Moment. Seine neuen kreisförmigen Hohlkörper sind durch eine Vielzahl verschieden großer Löcher strukturiert und lenken so den Blick weg von der Fläche auf die Durchsichten, die zweite "perforierte" Scheibe sowie die Schatten an der Wand. Licht ist aktiv am Bildgeschehen beteiligt und führt zusammen mit der gitterartigen Struktur zu einer lebendigen Leichtigkeit. Dem gegenüber steht eine Serie neuer Papierschnitte, in der Reinhard Wöllmer im Spiel mit der Kreisform das Verhältnis zwischen Systematik und Zufälligkeit auslotet. Einer klaren Ordnung folgend stanzt er Kreise aus und setzt sie intuitiv wieder ein. Eine neue, freie, fast organische Form entsteht, die bei naher Betrachtung Rätsel aufgibt. Reinhard Wöllmer (1957* in Nürnberg) hat an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bei Clemens Fischer studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg.
Das Zusammenspiel dieser drei Positionen stellt abstrakte Raumstrukturen, digitale Ordnungen und figürliche Bildwelten nebeneinander und eröffnet einen vielschichtigen Blick auf die unterschiedlichen Bildsprachen von Malerei heute. Florian Fausch wurde in der Schweiz geboren, studierte Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf und lebt und arbeitet heute in Düsseldorf. Seine Malerei entsteht als Verdichtung von Eindrücken zu einer subvisuellen Architektur. Offene Bildfelder, Schichtungen, Abschabungen und Überlagerungen erzeugen Räume mit zeitlicher Tiefe, in denen Erinnerung und Neuanfang ineinandergreifen. Fauschs Arbeiten laden zu einer vielschichtigen Wahrnehmung ein und entfalten eine Bildordnung, die bewusst in Bewegung bleibt. Licht fungiert dabei nicht als reine Beleuchtung, sondern als Resonanz zwischen Oberfläche und Tiefe sowie zwischen urbaner Energie und innerem Erleben. Till Franzen arbeitet seit vielen Jahren als Regisseur, Drehbuchautor und bildender Künstler. Sein Debütspielfilm Die blaue Grenze wurde auf internationalen Filmfestivals gezeigt und ausgezeichnet. Es folgten zahlreiche Kino- und Fernsehproduktionen sowie Arbeiten im seriellen Erzählen. Parallel zu seiner filmischen Praxis entwickelt Franzen eine eigenständige bildnerische Arbeit, in der digitalesBilddenken, algorithmische Strukturen und malerische Entscheidungen ineinandergreifen. In der Gegenüberstellung mit abstrakter und figurativer Malerei wird das Digitale als zeitgenössische Erweiterung des Malerischen erfahrbar. Martin Stommel wurde 1969 geboren und erhielt seine künstlerische Prägung unter anderem durch den russischen Maler Boris Birger sowie durch Studien an der Kunstakademie München und der HdK Berlin. Seine Malerei ist kunsthistorisch informiert und zugleich gegenwartsbezogen. Archaisch anmutende und zeitlose Figuren stehen im Zentrum seiner Arbeiten und werden von einer inneren Spannung zwischen Bewegung und Ruhe getragen. Stommel versteht das Bild als in sich
Vernissage der Ausstellung in den Räumen der Galerie ep.contemporary, der Künstler ist anwesend. FD Schlemmes Werk spiegelt die Ambivalenz täuschender Bereicherung der Welt durch unser menschliches Eingreifen und Hinzufügen. Es sind Raummodelle, die mit 2- und 3-Dimensionalität unsere Wahrnehmung biegen, hinterfragen und neue reproduzieren. Als Wandreliefs, Skulpturen und Papierarbeiten entfalten sich durch unterschiedlichste Materialien und Farbgebungen Bezüge zu urbaner Architektur, Design und Logos, die Einsichten in unsere Lebens- und Sichtweise provozieren.
Der Fotograf Arno Schidlowski (*1975) zeigt in der Alfred Ehrhardt Stiftung mit Jasmund und Der Sonne Mond zwei Werkserien, die unterschiedliche Zugänge zur Landschaft eröffnen. Seine ausschließlich analog und von Hand gefertigten Fotografien entstehen in langen Arbeitsprozessen und aus einer konzentrierten Auseinandersetzung mit Natur und Licht. Jasmund widmet sich einem kulturell geprägten, vielfach gesehenen Ort, während Der Sonne Mond eine innere, nicht eindeutig verortbare Szenerie entstehen lässt. In beiden Werkgruppen greift Schidlowski Strategien der Romantik auf und überführt sie in eine präzise, kontemplative Naturbetrachtung, die an die Tradition eines Alfred Ehrhardt anknüpft. Die Serie Jasmund (2005–2011) führt auf die Insel Rügen, an jene Kreideküsten und Buchenwälder, die durch Caspar David Friedrichs Malerei weltberühmt wurden. Schidlowski kehrte über Jahre immer wieder an diesen Ort zurück, um „adäquate Bilder“ einer Landschaft zu finden, die tief im kulturellen Gedächtnis verankert ist. Anstatt den Klischees romantischer Bildwelten zu folgen, entwickelte er eine Perspektive, die den Widerspruch von äußerem Abbild und innerem Blick aufgreift. Seine Fotografien sind still, reduziert, konzentriert, aber von intensiver Farbigkeit. In der rhythmischen Abfolge seiner Aufnahmen – einer Art visueller Taktung -, entfalten sich Bildfragmente von Meeresoberflächen, Baumkronen oder nebelverhangenen Horizonten zu einem poetischen Resonanzraum, der zugleich den Mythos dieses romantisch überformten Ortes hinterfragt. In den folgenden Jahren, von 2011 bis 2013, entstand als direkte Reaktion auf Jasmund die Arbeit Der Sonne Mond. Für dieFotoserie verlässt Schidlowski den Norden und richtet den Blick in eine nicht verortbare Landschaft des Südens. Eine Auswahl seiner Schwarz-Weiß-Barytabzüge lassen eine mediterran anmutende Umgebung erahnen, die sich jedoch geografisch nicht benennen lässt, vielmehr handelt es sich um einen inneren Ort ohne eindeutige Orientierungsmuster. Der Titel der Werkserie entstand aus der Vorstellung, die Erde wie ein fremdes Terrain zu betreten: mit dem Blick eines Außenstehenden, neugierig, offen, frei von Erwartung. Zypressen, verdorrte Sträucher oder Disteln auf trockenem Boden erscheinen im hellen Licht bis zur Abstraktion reduziert, andere Motive wirken dunkel und geheimnisvoll. Schidlowski spielt auch hier mit Reminiszenzen an die Vergangenheit: Die Fotografien erinnern an historische Aufnahmen, sie wirken wie aus der Zeit gefallen, wie leicht glänzende Albuminpapiere oder solarisierte Überstrahlungen. Die reduzierten, sehr zarten Motive oszillieren zwischen Traum und Erinnerung. Im dialektischen Spannungsverhältnis zwischen Vertrautheit und Fremdheit entsteht eine poetische Dichte, die den Blick von den Dingen löst und den Betrachter in einen Zustand meditativer Schwebe versetzt. Beiden Werkgruppen gemeinsam ist die intensive Auseinandersetzung mit der Natur: Schidlowski setzt sich den Landschaften aus, reagiert auf sie, findet in ihnen seine Position. Seine Fotografien greifen Strategien der Romantik auf, verhandeln sie jedoch neu – nicht als Dramatik oder Emotionsausbruch, sondern als kontemplatives Erleben. Schidlowskis präzise Naturbetrachtung und intensive Auseinandersetzung reiht sich in eine Tradition ein, die auf Alfred Ehrhardt verweist. Die Arbeiten sind ästhetisch eindringlich, konzeptuell klar und zugleich unmittelbar zugänglich. Die Ausstellung zeigt rund 50 Arbeiten, ergänzt durch die in Mappen eingelegten, vollständigen Serien in zwei Vitrinen. Alle Abzüge stammen aus der eigenen Dunkelkammer des Künstlers. Zur Person: Arno Schidlowski (*1975, Münster) lebt in der Nähe von Hamburg. Nach einem Diplom 2006 in Visueller Kommunikation an der FH Dortmund absolvierte er 2013 ein Masterstudium bei Prof. Ute Mahler an der HAW Hamburg. Seitdem wird er von Jo van de Loo, München, vertreten, mit Einzelausstellungen, Sammlungsankäufen und Messebeteiligungen in Berlin, Amsterdam, Paris, London und Wien.
Formen und Farbigkeit der fragilen Papierobjekte von Alexandra Deutsch wie auch ihrer Monotypien entstammen organischen und anorganischen Welten, erinnern an exotische Pflanzen, Fossilien oder Gesteinsformationen. Inspiriert sind sie von Aufenthalten in der Mauretanischen Wüste und sind doch abstrakt, sprechen eine eigene Formensprache. Objekte von raumgreifender Plastizität wachsen an den Wänden entlang. Ihre Oberflächen sind durch Lamellen oder Faltungen strukturiert,Tentakeln und Linien dehnen sich in den Raum aus. Mit schwach gebundenen Pigmenten bemalt, haben sie eine stark leuchtende Farbigkeit und lassen einen Eintauchen in eine ferne Welt. Alexandra Deutsch (*1968 in Karlsruhe) lebt und arbeitet in Wiesbaden.
In der Gruppenausstellung „12 +12“ laden 12 Künstler*innen von ep.contemporary zum wiederholten Mal 12 Gastkünstler*innen ein, Arbeiten im Kunstduett zu präsentieren. Im Mittel- punkt der Ausstellung stehen Dialoge zwischen einer Künstler*in von ep.contemporary und ihrer eingeladenen Gastkünstler*in, die auch räumlich als Zwiegespräch in den Ausstellungsräumen erfahrbar sind. Künstler*innen: /Die beteiligten Künstler*innen sind: Ophelia Beckmann + Felix Barth Vollmann, Henning Haupt + Luzia Rux, Matthias Hagemann + Michel Claverie, georgia Krawiec + Peter Wiklund, Uschi Krempel + Sun Yu Kim, Celia Mehnert + Wolfgang D. Mehnert, Martina Reichelt + Rémy Mouton, Bodo Rott + Frank Siewert, FD Schlem- me + Astrid Schneider, Dorothea Schutsch + Jochen Schneider, Sabine Wild + Robert Herrmann, Anne Wodtcke + Günter Nosch. ArtistTalk I: Samstag, 06.12.2025, 16:00 (in englischer Sprache) mit Matthias Hagemann + Michel Claverie, georgia Krawiec + Peter Wiklund ArtistTalk II: Mittwoch, 10.12.2025, 18:00 mit Ophelia Beckmann + Felix Barth-Vollmann, Celia Mehnert + Wolfgang D. Mehnert, Bodo Rott + Frank Siewert Finissage: Samstag, 03.01.2026, 14:00 – 18:00 Ausstellung: 29.11.2025 – 03.01.2026 Weihnachtsferien vom 22.12.2025 – 01.01.2026
Mit THE GARDEN hat Theo Eshetu eine spektakuläre Umgebung mit immersiven Bildern geschaffen, die uns Betrachtende einnehmen, sobald wir den Ausstellungsraum betreten. Wir begegnen Schönheit und Perfektion, als würden Bäume, Blumen und Wiesen uns unablässig beobachten. Wir tauchen ein in das Kaleidoskop majestätischer Bilder, so wie umgekehrt die Natur uns durchdringt. Technologie ist für Eshetu dabei kein bloßes Werkzeug, sondern ein integraler Teil seines künstlerischen Denkens. Sie eröffnet neue Ausdrucksformen und wirft zugleich die Frage auf, wie tief sie in unser Selbstverständnis eingreift. „Technologien sind buchstäblich in unseren Geist und Körper eingedrungen“, sagt er, „und verstellen uns den Blick darauf, was Menschsein im Kern bedeutet.“ In seinem umfangreichen Œuvre hat sich Theo Eshetu mit Themen aus der Anthropologie, Kunstgeschichte, wissenschaftlichen Forschung und religiösen Ikonografie auseinandergesetzt, um ein unverwechselbares Werk zu schaffen, das auf einer synkopischen, rhythmischen Montage von Klängen und Bildern basiert. Seine Arbeiten reichen von großformatigen Videoinstallationen bis hin zu essayistischen Filmen, die die Realität dessen hinterfragen, was Bilder offenbaren können. Diese Ausstellung inspiriert dazu, die Natur als Vorbild, Maßstab und Mentor zu verstehen.
Mit der Ausstellung „Dreams of the Seen and Unseen“ präsentiert die janinebeangallery ab dem 7. November 2025 eine Gegenüberstellung der künstlerischen Positionen von Marie Louise Elshout und James Johnston. Im Kabinet Peter Doherty "Sories from the Sea" Die niederländische Künstlerin Marie Louise Elshout (geb. 1967 in Delft, Niederlande) verbindet in ihrem Werk Zeichnung und Malerei auf einzigartige Weise. Ursprünglich aus der Druckgrafik kommend, entstehen ihre Arbeiten aus hunderten fein gesetzten Bleistift- und Kohlestiftlinien, die durch transparente Ölschichten zu farbigen Bildwelten verdichtet werden. „Auf den ersten Blick wirken sie wie Gemälde, doch eigentlich sind es gezeichnete Kompositionen“, beschreibt Elshout ihren Prozess. Inhaltlich bewegt sich ihr Werk im Spannungsfeld zwischen Mensch und Tier, Führenden und Folgenden, Maskerade und Verwandlung. Inspiriert von Daguerreotypien des 19. Jahrhunderts greift Elshout historische Bildräume auf, in denen industrielle Modernisierung und alte Mythen noch nebeneinander existierten. Ihre hybriden Gestalten reflektieren Folklore, Märchen sowie Rituale und damit zugleich die Ambivalenz menschlicher Gesellschaft. Die Landschaft fungiert dabei nicht als Hintergrund, sondern als handelnder Protagonist, der die fragile Beziehung zwischen Mensch und Natur hervorhebt. „Wir sind nur Sternenstaub, wie Joni sang“, sagt Elshout, „und doch verhalten wir uns, als stünden wir über allen anderen Lebewesen.“ James Johnston (geb. 1966) ist einem internationalen Publikum vor allem als Musiker bekannt als Gründer und Sänger der Band Gallon Drunk sowie durch seine langjährige Zusammenarbeit mit Nick Cave & The Bad Seeds und PJ Harvey. Während einer Tour mit PJ Harvey begann er, täglich kleine Bilder in Hotelzimmern anzufertigen, was den Beginn seiner zweiten künstlerischen Laufbahn einläutete. „Unmittelbar wurde ich davon gänzlich in den Bann gezogen“, erinnert sich Johnston, „ich musste weitermachen und zurück in London brauchte ich sofort ein Atelier.“ Aus dieser anfänglich spontanen Praxis entwickelte sich eine Bildsprache, die sich durch expressive Direktheit, kräftige Farben und figurative Intensität auszeichnet. Johnstons Arbeiten entstehen oft aus dem Zufall heraus, entwickeln sich zu Szenen mit solitären Figuren, Tieren und Naturdarstellungen, die den menschlichen Zustand widerspiegeln. Humor ist für ihn dabei ebenso ein Zugang wie die mythische Aufladung, die auch von außen erkannt werden kann. Nick Cave beschrieb Johnstons Arbeiten als „paintings full of mythic power“ und betont damit den archaischen und zugleich psychologisch dichten Charakter seiner Malerei. Der Künstler selbst sieht Malerei und Musik als Ausdruck derselben Energie: „Ich bin kein technischer Musiker, es ging mir immer um Unmittelbarkeit und Herzblut. Das gilt für die Malerei genauso.“ Für die Ausstellung in Berlin kündigt Johnston „lose, farbenfrohe, figurative Gemälde“ an, darunter auch kleinere Formate, die er besonders schätzt: „Sie sind sehr konzentriert und haben eine Kraft ganz für sich.“ Im Zusammenspiel mit den Werken von Marie Louise Elshout entsteht ein intensiver Dialog: Während Elshout mit präziser Zeichnung, historischen Anspielungen und mythisch aufgeladenen Hybridwesen kollektive Rituale und die fragile Beziehung zur Natur reflektiert, verdichtet Johnston existentielle Stimmungen zu expressiven figurativen Szenen, in denen das Mythische auf die Gegenwart trifft.
Sie dient auch als erste Plattform zur Vorstellung ihres ersten monografischen Buches von Thames & Hudson, welches alle Aspekte von Kuliks unglaublichem Gesamtwerk erkundet. Die Ausstellung beginnt mit ihren bemerkenswertesten Abschlussarbeiten (1968–1971) und setzt sich fort mit ihrem Übergang zum Künstlerduo KwieKulik (1971–1987), dass sie gemeinsam mit ihrem Partner Przemysław Kwiek gründete – und endet mit einem großformatigen Schwarz-Weiß-Selbstporträt, das sie als Königin darstellt. Zusammen vermitteln diese ausgewählten Werke ein tieferes Verständnis dafür, wie sich Kuliks individuelle Karriere zu dem entwickelt hat, was sie heute ist. Ein zentraler Bestandteil von Kuliks Abschlussarbeit an der Warschauer Akademie der Bildenden Künste war eine dreiteilige Diaprojektion mit dem Titel Instead of Sculpture, die aus rund 500 Fotografien bestand (heute Teil der Tate Modern Sammlung). Für Kulik ist Skulptur ein Prozess, der sich über einen bestimmten Zeitraum hinweg entfaltet, ohne definierten Anfang oder Ende und ohne festgelegte Handlung. Sie untersuchte die Dynamik zwischen Skulptur und Betrachter und analysierte, wie Wahrnehmung Teil der skulpturalen Erfahrung wird. Sowohl Kulik als auch Kwiek studierten bei dem einflussreichen Architekten, Künstler und Theoretiker Oskar Hansen, der das Konzept der „Offenen Form” entwickelte – eine Theorie, die sich für unvollendete oder unvollständige räumliche Formen einsetzt und somit kreative Beteiligung des Betrachters fördert. Unmittelbar nach ihrem Abschluss beschäftigten sich die beiden zunehmend mit Kybernetik und Spieltheorie. Eine ihrer Arbeiten, Game on an Actress’s Face, präsentiert eine Reihe von Nahaufnahmen der Schauspielerin Ewa Lemańska und bezieht sich auf Prinzipien der Spieltheorie, bei denen Handlungen und Entscheidungen im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf mehrere Akteure in komplexen, voneinander abhängigen Systemen analysiert werden. Sie transformierten ihr zu Hause in einen hybriden Raum – teils Studio, teils Galerie – und nannten es das Studio für Aktivitäten, Dokumentation und Propagation, (PDDiU). KwieKulik lehnte den traditionellen objektbasierten Kunstkanon ab und wandte sich stattdessen vergänglichen „Aktivitäten” zu, die den kreativen Prozess offenlegten und eine Vielzahl künstlerischer Zusammenhänge untersuchten (Activities for the Head, 1978, und Activities for Clay Head, 1981). Innerhalb des Duos spielte Kulik oft die Rolle der stillen „bedeutenden anderen Person”. 1978 machte sie eine stille, aber kraftvolle Solo-Geste mit dem Titel Zofia Kuliks Bitte um Vergebung. Später erklärte sie: „Zum ersten Mal habe ich versucht, etwas ohne Kwiek zu machen. Das Duo erstickte mich – weil wir in all diesen Wiederholungen immer dieselben Dinge sagten und taten. Was sollte mir das Publikum verzeihen? Ich wusste es nicht genau. Wahrscheinlich war ich nicht wirklich präsent, auch wenn es so aussah. Ich war nichts weiter als Teil eines dimorphen Hybrids, in dem meine Rolle unklar war. Ich war dieser Stummheit in mir selbst leid. Ich näherte mich mehrmals dem Publikum, nur um auf die Knie zu fallen. Ich fühlte mich völlig gedemütigt – aber ich hatte darum gebeten. Ich brauchte eine solche Situation, und ich bekam sie.“ Kuliks Trennung von Kwiek im Jahr 1987 ging der Trennung eines weiteren renommierten osteuropäischen Duos – Marina Abramović und Ulay –nur ein Jahr voraus. Ähnlich wie Abramovic begann Kulik, ein neues Kapitel in ihrem Leben als eigenständige Künstlerin aufzuschlagen. Dies bereitete den Boden für Kuliks eigene künstlerische Transformation und ihren revolutionären Ansatz für das Konzept des Archivbaus. Ihre neuen Arbeiten, bei denen sie einen akribischen Dunkelkammerprozess mit Mehrfachbelichtungen von Negativen auf Fotopapier entwickelte, spiegelten ihr ausgeprägtes Gespür für Kontrolle, Ordnung und Präzision wider. Ihr erstes manifestiertes Werk, Come with Me Through the Valley of Tears – after Artur Grottger, 1988, zeigte Zbigniew Libera als ihre Muse. In weiterer Zusammenarbeit mit ihm entwickelte sie das Archiv der Gesten, das zu einer wiederkehrenden Quelle visueller Motive und Ornamente in ihrer Praxis wurde. Von Anfang an war die Dokumentation für Kuliks Arbeit von wesentlicher Bedeutung. Sie hält ihren kreativen Prozess sowie das Geschehen um sie herum akribisch in Notizbüchern fest und unterhält ein umfangreiches Fotoarchiv, welches sie in ihre fotografischen Arbeiten einfließen lässt. Kunsthistorikerin Angela Dimitrakaki schreibt: „Kuliks Zeitrahmen ist sowohl durch große historische Ereignisse (in Polen) als auch durch ihre Biografie als Künstlerin geprägt – in diesem Fall als „weibliche Künstlerin“, eine instabile, zugleich provokative politische Kategorie in feministischen Imaginationen seit den turbulenten 1960er-Jahren.“ Ihre ikonischen großformatigen Selbstporträts, auf denen sie als Königin erscheint, sind eindrucksvolle Bekräftigungen ihres Erwachens sowohl als Frau als auch als Künstlerin, die ihre eigene Stimme erhebt. Zofia Kuliks Arbeit wurde einem breiteren Publikum während der documenta 12 (2007) in Kassel und auf der 47. Biennale di Venezia (1997) vorgestellt. Sie hatte zahlreiche Einzelausstellungen, unter anderem in den Glasgow Sculpture Studios (2016), im Badischen Kunstverein (2016) und bei Les Rencontres d’Arles (2023). Ihre Arbeiten sind Teil renommierter internationaler Institutionen wie der Tate Modern, dem MoMA NY, dem Centre Pompidou und vielen anderen sowie zahlreicher bedeutender Privatsammlungen.
Kristin Grothe beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Mensch und Natur, dem Erleben menschlicher Eingriffe durch den Bau von Straßen, Brücken und Gebäuden, aber auch die Rückeroberung von Räumen durch die Natur. Ausgehend von realen Landschaften und Architekturen entfernt sie sich im Arbeitsprozess von diesen, reflektiert deren Spannung im Geben und Nehmen. Ihre Radierungen bearbeitet sie mit Schleifpapier, zeichnet mit einem Messer oder der Radiernadel, mit Tusche, Kreide oder Kohle. Einzelne Schichten werden abgeschält und das Innere des Büttenpapiers frei gelegt, was dessen haptische Qualität betont. Eine reliefartige Struktur entsteht. Die Werke erscheinen abstrakt, losgelöst, offen. Neue Architekturen, Landschaften oder Wolkenformationen erscheinen vor dem geistigen Auge und Bildräume voll pulsierendem Licht und tiefer Dunkelheit entstehen, meditativ, kraftvoll und zart zugleich. Kristin Grothe (*1972 in Hamburg) lebt und arbeitet in Neumünster und Berlin.
Beteiligte FotografInnen: Beckmann, Ophelia; Behrendt, Norman; Bergemann, Frauke; Bibel, Nora; Bofinger, Karoline; Bournonville, Nadja; Bröhan, Angela; Dollinger, Mario; Faulhaber, Julian; Gries, Gero; Haus, Michael; Helmerdig, Silke; Herrmann, Robert; Hinzen-Röhrig, Doris; Holick, Norbert; Hüning, Fred; Koch, Silke; Kriegelstein, Manfred; Krüger, Horst; Mansholt, Werner; Pauer, Torsten; Pavlakis, Stefanos; Pawlitzky, Eric; Rentzsch, Nadja; Rissmann, Joachim; Salentin, Katrin; Schraepler, Alexandra; Schumann, Torsten; Schünemann, Jens; Sinha, Silvia; Stoltenberg, Ruth; Stuke, Karen; Teepe Martina; Vollmann, Felix; Wechler, Catrin; Wehr, Susanne; Wild, Sabine; Woischwill, Nicole „Alle Fehler behoben“ – auf den ersten Blick eine gute Nachricht. Die Autowerkstatt, der Computernotdienst oder wen auch immer man mit der Suche nach den Fehlern beauftragt hat, hat die Arbeit erledigt. Alles in Ordnung, es kann weitergehen. Bei näherer Betrachtung ist der Teil objektiv diagnostizierbarer Fehler jedoch klein. Die meisten Fehler sind anderer Art: Historische Fehler, größte Fehler, politische Fehler. Fehler im System, genetische Fehler, offensichtliche Fehler, unauffindbare Fehler, psychische Defekte, Schönheitsfehler. Totalschaden. Aber wer vermag mit objektiver Sicherheit festzulegen, was ein Fehler ist? Welche Instanz kann den „richtig“ oder „falsch“ Stempel aufdrücken? Die Fotografin Sabine Wild hat mit „Show your darling V“ Fotografinnen und Fotografen um Werke zum Thema „Alle Fehler behoben“ gebeten. In der Schau zeigt sich, wie unterschiedlich die Assoziationen und Blickwinkel sind, und dass nach der Erleichterung, dass nun endlich alles wieder gut ist, der Stoßseufzer stockt. In den 38 Werken der Schau stellt sich die grundlegende Frage nach der Tatsächlichkeit und Hinterfragbarkeit vermeintlicher Fehler und eröffnet einen umfassenderen Diskurs. Fred Hünings Fotografie „THE COMFORT OF HORSES“, zeigt die Schönheit eines Pferdes mit genetischem Defekt, in den Fotografien von Werner Mansholt und Katrin Salentin werden normative, fehlerfreie Schönheitsideale in Frage gestellt und gebrochen. Widersprüche tauchen auf, Traum und Wirklichkeit verschwimmen, die fließenden Grenzen zeigen die Relativität des Realen und damit des vordergründig Richtigen. Vermeintlich behobene Fehler werden als Provisorien zu kunstvollen Objekten. Spiegelungen wie bei Catrin Wechler und Michael Haus, Verfremdungen wie bei Sabine Wild, schärfen in ihrer Andersartigkeit den Blick auf die der Imperfektion innewohnende Schönheit. Die politische Dimension der Frage nach der Festschreibung des Richtigen oder Falschen und der daraus resultierenden „fehlerlosen“ Legitimierung durch eine Obrigkeit zeigt sich unter anderem in Stefanos Pavlakis „Under erasure“. Unwiederbringlich zerstörte Natur, abgerissene Gebäude, Akten von zahllosen ungelösten Fällen, meterweise aufgereiht – die gezeigten Fotografien eröffnen unter dem Gesichtspunkt „Alle Fehler behoben“ neue Blickwinkel. In der Wiederholung des Immergleichen wie in Karen Stukes Daumenkino mit der „Sprengung des Kühlturms in Hamm-Uentrop“ (1991) lauert die Frage, ob Fehler besser oder schlechter werden, wenn sie immer wieder gemacht werden, ob man Fehler rückgängig machen kann. Oder eben die Frage „Was ist überhaupt ein Fehler?“ Die Fotografin Sabine Wild hat die Idee und das Konzept von „Show your darling“ entwickelt und bittet seit 2015 Fotografinnen und Fotografen um ihre „Positionen“ zu bestimmten Themen. Zum Beispiel 2017 zu „Darkness“ oder 2018 zu „Das Bett“. In diesem Jahr ist das Thema „Alle Fehler behoben“.
Weite, Wasser und steter Wandel prägen das Wattenmeer – eine Landschaft, die sich im Rhythmus der Gezeiten alle sechs Stunden neu formt. Alfred Ehrhardt sah darin einst „Urkräfte am Werk“. Der Hamburger Fotograf Marc-Oliver Schulz betrachtet das Watt aus anderer Perspektive. Auch ihn zieht es immer wieder an die Nordseeküste, doch er richtet seinen Blick nicht wie Alfred Ehrhardt auf Strukturen oder Stimmungen, sondern auf das Sehen selbst. Seine Werkserie Wasserland umfasst 35 Fotografien, die erstmals in Berlin ausgestellt werden. Zwischen 2009 und 2017 besuchte Schulz regelmäßig die Elbmündung zwischen Büsum und Cuxhaven, ein Ort zwischen Land und Wasser. Auf den Steinbuhnen im offenen Watt wartet er auf den Moment, in dem sich Landschaft, Licht und Zeit entgrenzen. Seine Aufnahmen entstehen oft in der Dämmerung oder bei Nacht, wenn sich der Horizont mit dem Sternenhimmel aufzulösen scheint. In Analogie zum kurzen Stillstand der Fließkräfte am Kipppunkt der Tide zeigen seine Bilder einen Stillstand in der Kontinuität des Wandels. Die konzeptuelle Strenge und Beschränkung der Bildelemente abstrahieren die Landschaft und erheben ihre karge Schönheit auf eine universelle Ebene. Die Leere und Weite des Wattenmeers begünstigen die Schärfung der Wahrnehmung, weil das Narrativ entfällt. Das gegenstandsorientierte Sehen kann einem offenen, absichtslosen Schauen weichen. Im Bild wird der Ort nachrangig, dafür der Zustand der Landschaft bestimmend. Das Sehen bestimmt das Bild. Im Gegensatz zu Alfred Ehrhardt blendet Marc-Oliver Schulz Spuren menschlicher Zivilisation nicht aus. So sind z.B. die der Schifffahrt dienenden Seezeichen ein wiederkehrendes Bildelement, das wie ein Erkennungsmerkmal die gesamte Bildserie durchzieht. In jeder Aufnahme verweisen Steinbuhnen, Holzlahnungen, Bohrinseln oder Lichter der Küstenstädte auf die Anwesenheit des Menschen, der sich zwischen Landgewinnung und Landverlust täglich mit dem Meer messen muss. Der Steinwall, auf dem der Fotograf steht – und wir als Betrachter mit ihm – wird so zum Symbol einer Bruchkante zwischen Natur und Mensch.
Gleisendes, aus der Bildtiefe hervorquellendes Licht steht in Simone Distlers Malerei dem Sog der Dunkelheit gegenüber, meditative Ruhe und Konzentration einer großen Dynamik. Transparenz und Leichtigkeit wechseln mit Verdichtung und Schwere. Immaterielle Wahrnehmungsräume entstehen. Ihre Gemälde sind abstrakt, losgelöst von Ort und Zeit, doch gleichzeitig ermöglichen sie ein Erleben von lichtdurchfluteten Landschaften, massiven Gebirgsketten oder weiten Ebenen, unendlichen Wasserflächen oder bewegten Wolkenformationen. In einer ausgreifenden, dynamischen Geste, durch Spritzen, Wischen und Lasieren trägt Simone Distler stark verdünnte Acrylfarbe auf Leinwand oder Papier auf – teils leicht und luftig, so dass die Bilder wie Aquarelle anmuten, teils in mehreren Malschichten verdichtet, was den Gemälden eine intensive Farbigkeit und außerordentliche Präsenz verleiht. Simone Distler (*1982) hat Malerei an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle studiert und war Meisterschülerin von Prof. Ute Pleuger. Sie lebt in Erdeborn.
Franziska Sophie Geissler, Birgit Gessner, Erwin Holl, Michelin Kober, Melanie Lachièze-Rey, Platino, Martin Bruno Schmid, Daniel Sigloch, Heinz Thielen. Vernissage: Freitag, 25.07.2025, 18:00 – 21:00 Ausstellung vom 26.07. – 09.08.2025 Atelier Wilhelmstraße 16 e.V. Das Atelierhaus in der Wilhelmstraße 16 in Bad Cannstatt befindet sich in der ehemaligen Schokoladenfabrik Ritter Sport. Es ist im Privatbesitz und steht seit 1986 als Atelierhaus Künstlerinnen und Künstlern zur Verfügung. Die Ateliergemeinschaft verwaltet sich als eingetragener Verein selbst und bestimmt über die Aufnahme neuer Künstlerinnen und Künstler. Derzeit stehen bis zu neun Kunstschaffenden gut ausgestattete Arbeitsräume zur Verfügung. Der Verein tritt jedoch nicht nur als Mieter und Verwalter des Hauses in Erscheinung, sondern auch als Veranstalter. Einmal jährlich werden die Ateliers geräumt und für etwa ein bis zwei Monate als Ausstellungsfläche für Künstlerinnen und Künstler von außerhalb genutzt. Zwischen diesen vom Verein kuratierten Ausstellungen finden zusätzlich immer wieder Lesungen, Vorträge und Konzerte statt. Dadurch schafft es die Gemeinschaft, ein breitgefächertes Publikum an sich zu binden. Das Atelier Wilhelmstrasse 16 e.V. wird von der Stadt Stuttgart gefördert.
Vernissage der Ausstellung "momentmal"am Freitag, den 20.06.2025 von 18:00 – 21:00 Uhr. DIe Künstlerinnen sind anwesend. Ausstellung vom 21.06. – 19.07.2025 In der Ausstellung momentmal begegnen sich zwei künstlerische Positionen, die den Raum nicht nur als architektonisches, sondern als erinnerndes und bewegtes Medium begreifen. Martina Reichelts Performances hinterlassen sichtbare Spuren des Körpers – Abdrucke, Linien, Zeichen eines vergehenden Moments. Celia Mehnert rekonstruiert Räume aus der Erinnerung: Wohnungen, Flure und Treppenhäuser verdichten sich in Zeichnungen und Objekten zu subjektiven Raumfragmenten. Beide Künstlerinnen greifen auf den menschlichen Körper als Erinnerungs- und Wahrnehmungsinstrument zurück. Während Reichelts Arbeiten performativ entstehen und direkt auf Material und Ort reagieren, rekonstruiert Celia Mehnert Räume durch das erinnernde Durchschreiten aus der Distanz der Zeit. Momentmal steht dabei für das Innehalten, für das Aufspüren flüchtiger Eindrücke, die sich in Linien, Objekten und Bildern manifestieren. Der Titel wird zum Appell, den Moment nicht verstreichen zu lassen, sondern ihn sichtbar, tastbar, erinnerbar zu machen.
„Meine Bilder beginnen mit dem, was ich sehe – aber sie enden nie dort. Farbe ist für mich Erinnerung, Gefühl, Gegenwart und Möglichkeit zugleich. Ich verstehe Malerei als eine Sprache jenseits des Gegenstands: Sie eröffnet Räume, die nicht abbilden, sondern nachwirken.“ - Joanna Gleich Wie ein Wasserfall brechen leuchtende Farben aus den Gemälden von Joanna Gleich hervor. Jeder einzelne Pinselstrich ist Teil einer Symphonie, die mit mutiger Hand dirigiert wird. Innerhalb der vier klar umrissenen Ränder der Leinwand formt jede Farbe eine Perspektive. Ihre Werke wirken wie pulsierende Räume – ständig in Schwingung, ständig in Veränderung. Ihre Malweise erinnert an die Wahrnehmung der Materie durch die Augen des österreichischen Physikers Fritjof Capra. In einem seiner Bücher beschreibt er, wie er die Welt um sich herum beobachtet, während er an einem Spätsommernachmittag am Meer sitzt. Er wurde sich bewusst, dass seine ganze Umgebung Teil eines gewaltigen kosmischen Tanzes war. Als Hochenergiephysiker wusste er, dass alles um uns herum aus vibrierenden Molekülen und Atomen besteht, aus Energiekaskaden, die aus dem Weltall herabströmen, um an dem gewaltigen kosmischen Tanz teilzunehmen. In den Bildern von Joanna Gleich kann man diese Art von Bewegung spüren. Im kreativen Prozess konfrontiert die Künstlerin die Betrachtenden durch die ungegenständliche Ausdrucksweise mit ihrer kreativen Aktivität. Die Forderung nach extremer Konzentration, ist verwoben mit einer Kaskade spontaner Entscheidungen, einer sorgfältigen Beobachtung des Prozesses, einer fortwährenden Wachsamkeit. Der magnetische Sog von Gleichs Gemälden ist erfüllt von ihrer schöpferischen Präsenz. Ihre Bilder sind Einladungen zum inneren Tanz – voller Energie, Tiefe und Poesie.
Papier als Pulp, handgeschöpft, Zeitungspapier, Japanpapier, Seidenpapier oder einfach Papier, weiß oder schwarz, ist ein eigenständiges und vielfach verwendetes Medium der zeitgenössischen Kunst. Es kann geformt, gewalzt, gefaltet, geschnitten oder gerissen sein, aber auch gefärbt, bedruckt oder bemalt, als Grundlage für Zeichnungen und Fotoabzüge dienen. Papier in seinen verschiedenen künstlerischen Verwendungsformen bildet von Beginn an einen Schwerpunkt des Galerieprogramms. Dies wird ergänzt durch ausgewählte Malerei- und Bildhauereipositionen.
In der Ausstellung The Burnt Sea präsentiert die renommierte australische Künstlerin Janet Laurence (*1947) eine eigens für die Alfred Ehrhardt Stiftung entwickelte Installation. Unter Verwendung von Alfred Ehrhardts ikonischen Korallenaufnahmen aus den 1930er und 1940er Jahren schafft Laurence einen Erfahrungsraum, der die Fragilität und den Verlust der Meereswelten poetisch erfahrbar macht. Gedruckt auf nahezu schwerelosen Seidenvoile-Stoffen, wirken die Korallenbilder transformiert, fragmentiert und zerbrechlich. Licht und Luftströme verwandeln die Stoffbahnen in ein schwebendes Gesamtkunstwerk, das wie von Meereswellen bewegt die ephemere Schönheit der Natur unterstreicht und gleichzeitig auf ihren gefährdeten Zustand aufmerksam macht. Durch Vergrößerung und Abstraktion von Ehrhardts historischen Korallenfotografien offenbart Laurence makroskopische Details der filigranen Strukturen dieser einzigartigen Lebewesen. Invertierte Grauwerte und gesteigerte Kontraste schaffen abstrahierte Bildwelten, die an die einst lebendigen, heute jedoch immer weiter schwindenden Ökosysteme der Korallenriffe erinnern. Feine Stickereien auf den Stoffen akzentuieren dabei einzelne Bildbereiche und betonen durch lose Fäden zusätzlich den Verlust der Korallenstrukturen. So zeigt die Installation die Korallen als zerfallene, aschfarbene Überreste und spiegelt den „brennenden Zustand“ der Welt – auch unter Wasser, wo Hitzewellen für die Korallenbleiche verantwortlich sind. Mit ihrer Arbeit verweist die Künstlerin eindringlich auf die drängende ökologische Krise, denn nur noch ein Drittel der weltweiten Korallenriffe befindet sich in einem guten Zustand – ihr Verschwinden bedeutet nicht nur einen Verlust für die Ozeane, sondern für den gesamten Planeten. Die Künstlerin möchte in der Ausstellung den steigenden Schwund der Korallenriffe auch mit der Hoffnung auf Wiederbelebung verknüpfen und Zuversicht schüren: Eine Vitrinen-Installation ausgeblichener Korallen, die mit farbigen Fäden verbunden sind, soll hierbei an Heilung und Wiederherstellung denken lassen. Dieses „Riffkrankenhaus“ verweist auf erfolgreiche Maßnahmen zur Erhaltung der vom Klimawandel gefährdeten Korallenriffe. Laurence untersucht in ihren immersiven Werken unsere oft widersprüchliche Beziehung zur Natur sowie die Bedrohung durch den Klimawandel und arbeitet dabei stets an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft. Die Ausstellung navigiert zwischen den Zuständen von Verlust, Fürsorge und Trost und lädt dazu ein, die Verletzlichkeit der Natur nicht nur als Warnung, sondern auch als Inspiration für verantwortungsvolles Handeln zu begreifen.
Ausgangspunkt für die farbenstarken Arbeiten von D. Schutsch ist immer eine konkrete Beobachtung in ihrer unmittelbaren Umgebung. Scheinbar unwichtige Dinge bekommen Bedeutung durch ein konkretes Erlebnis im Alltag und können Motiv oder Arbeitsthema für viele Jahre werden. In der Ausstellung zeigt D. Schutsch Arbeiten aus verschiedenen Werkreihen mit den Titeln „Fenster“, „Bingo“, „Im Café“ und „Unterwegs“. Über Jahre haben sich ihre Bildmotive von der realistischen Wiedergabe entfernt – Werke in unterschiedlichen Größen und Formaten, teilweise Fragmente von Bildern und Objekten treten in den Ausstellungsraum in einen Dialog miteinander.
Scharfe Schnittchen - KünstlerInnen der Galerie Gruppenausstellung im großen Raum Scharfe Schnittchen – frisch serviert, Genuss und Feuer, Würze mit Suchtfaktor. Die Kunst, sie brennt, fordert heraus, gibt Energie. Doch sie steht unter Druck. Wenn gekürzt wird, trifft es sie zuerst – als sei sie bloße Beilage des Lebens statt einer entscheidenden Zutat. „Scharfe Schnittchen“ zeigt was uns antreibt mit Werken, die keine Girlande am Leben sind, sondern seine Summe. Text: Bodo Rott, Celia Mehnert Ausstellende KünstlerInnen: Ophelia Beckmann, Matthias Hagemann, Henning Haupt, georgia Krawiec, Uschi Krempel, Celia Mehnert, Martina Reichelt, Bodo Rott, FD Schlemme, Dorothea Schutsch, Sabine Wild, Anne Wodtcke *** disintegration Rolf Sellmann, Malerei Solo-Gastausstellung im kleinen Raum Dazu das Statement des Künstlers: In the series “disintegration” it seems that the colors are in a process of separation from each other. I suppose also that my subconscious transforms in this paintings the tension and dissolution of the “outer world” to the small world on the canvas. Text: Roll Sellmann **** Vernissage: Donnerstag, 01.05.2025, 18:00 – 21:00 Sonderöffnungszeiten zum Gallery Weekend: 01.05.25: 18:00 – 21:00 02.05.25: 11:00 – 21:00 03.05.25: 11:00 – 21:00 04.05.25: 11:00 – 18:00
Unsere Offenen Ateliers bieten eine einzigartige Gelegenheit, die kreativen Räume unserer ansässigen Künstler/innen zu betreten und einen direkten Einblick in die Entwicklung ihrer Ideen zu erhalten. In den Ateliers und Ausstellungsräumen stellen die Künstler/innen ihre Werke in verschiedenen Entwicklungsstadien vor - zusammen mit den Fragen, Methoden und Dialogen, die sie prägen. Es ist ein offener und informeller Rahmen, um mit den Künstler/innen in Kontakt zu treten und die verschiedenen Ansätze zu entdecken, die sie in ihr Kunstschaffen einbringen. Im Folgenden erfahren Sie mehr über die einzelnen Künstler/innen und die Arbeiten, die sie während ihrer Zeit bei SomoS entwickeln. Teilnehmende Künstler/innen: Songül Karakoç stellt ihr stimmungsvolles Projekt „Have A Seat“ vor, das persönliche öffentliche Räume in Istanbul und Berlin erforscht. Christopher Houweling gibt einen Einblick in seine einzigartige kosmische 3D-Papierschneidetechnik und seine kommende interaktive Installation „MOLÉCULA“. In einer besonderen Installation im Galerieraum zeigt Ely Young ihre jüngsten Gemälde und Zeichnungen, die Dualität und Verletzlichkeit nachspüren. Jennifer Marquardt, die einen metafiktionalen Roman über einen faszinierenden Dialog mit künstlicher Intelligenz entwickelt, wird um 20 Uhr aus ihren Werken lesen. Event Details: Datum: Samstag, 26. April 2025 Zeit: 18 - 21 Uhr Programm: Führung um 19 Uhr Lesung von Jennifer Marquardt um 20 Uhr Eintritt ist frei Ort: SomoS Arts, Kottbusser Damm 95, Berlin