Amy Feldman: Breath Myth
Blain|Southern präsentiert Amy Feldmans erste Einzelausstellung in Deutschland. Die New Yorker Künstlerin stellt mit „Breath Myth“ ihre neuste Werkserie aus. Mit einem Filzstift bereitet sie die Skizze auf der Leinwand vor, um anschließend mit einem …
Blain|Southern präsentiert Amy Feldmans erste Einzelausstellung in Deutschland. Die New Yorker Künstlerin stellt mit „Breath Myth“ ihre neuste Werkserie aus. Mit einem Filzstift bereitet sie die Skizze auf der Leinwand vor, um anschließend mit einem einzigen performativen Akt das Bild zu schaffen. Sie gibt sich nur eine Chance, das Werk zu vollenden und spielt dabei mit der Assoziation von Risiko und Angst, um Dringlichkeit in ihren Arbeiten zu kommunizieren.
Feldmans Arbeit bietet dem Betrachter einen lebhaften Dialog zwischen der materiellen und der formalen Sprache abstrakter Malerei. Das ist deutlich erkennbar in den Interaktionen, die sie zwischen der bemalten Ober äche und dem Untergrund kreiert und womit sie die Hierarchie zwischen den beiden Ebenen infrage stellt. Zufällige Farbtropfen sind zwar von der Künstlerin nicht eingeplant, werden aber von ihr akzeptiert, da sie die Grenzen der bemalten Ober äche des Bildes durchbrechen. Dies gelingt ihr in der Gestaltung des Untergrunds, der makellosen fast weißen Leinwand, einer Fläche, die immer mit einem Hauch von Farbe, von Violett bis zu blassem silbrigem Grau, moduliert wird. Diese unbeabsichtigten Brüche spiegeln wider, wie unmittelbar Feldmans Technik ist und führen vor, dass eine vollständige Kontrolle des Mediums für immer unerreichbar bleibt.
Feldman arbeitet ausschließlich mit Grautönen, womit sie ein abstraktes Zeichensystem entwickelt hat, das an Schriftsysteme erinnert und an die Übermittlung von Informationen: bei der Betrachtung ihrer Bilder entstehen Bezüge zu Zeitungsdruck, Kalligraphie oder zu den Grauabstufungen auf den Bildschirmen der ersten Fernsehapparate. Mit dieser reduzierten Palette versucht sie auch, sich von Assoziationen und Beschränkungen zu befreien, die durch viele Farben im Bild erzeugt würden. Die bauchigen, üchtig dahingeworfenen unregelmäßigen Formen, die sie malt, sind zwar vertraut, doch wecken sie keine konkreten Assoziationen. Wie ihre Farbpalette sind auch die Formen nicht für eine eindeutige Decodierung greifbar. Dennoch gibt es in Feldmans Arbeiten Anspielungen auf den Körper und auf ihre Position als Frau und Malerin.
Ihre überschwänglichen cartoonartigen Formen haben auch einen ironischen Effekt; zusammen mit den humoristischen Wortspielen der Titel und ihrem unbekümmerten Umgang mit Farbe konterkarieren sie die eher dunklen Töne und die Imposanz ihrer Arbeiten. Mit Keilrahmen, deren Maße oft zwei Meter übersteigen, gehen die Leinwände ein wenig über Feldmans Armlänge hinaus, was der Performance des Malens ein zusätzliches Element der Körperlichkeit verleiht.
Feldmans Bilder sind aktuell in der Gruppenausstellung „Riot Grrrls“, die im Dezember im Museum of Contemporary Art Chicago eröffnet wurde, zu sehen. Die Ausstellung fokussiert auf richtungsweisende Malerinnen und ist Teil einer laufenden Serie von Ausstellungen, die legendäre Objekte aus der Sammlung des MCA präsentiert.